Montag, 24. Dezember 2007

Fröhliche Weihnachten!!

Hallo ihr Lieben,

ich wünsch euch allen ein tolles Weihnachtsfest!! Lasst euch nicht einschneien und denkt mal an mich.

Bevor Knecht Ruprecht an die Türe klopft, hier noch schnell ein paar Eindrücke aus den letzten Wochen:

Da ich ja jetzt wieder in bei dem Kinderprojekt wohne (vom Umzug hab ich ja berichtet) und dort im Januar auch arbeiten werde, wurde ich für die Weihnachtsfeier schon mal eingespannt. Bei tollem Wetter hatten wir Hüpfburgen, Weihnachtsmann, Süssigkeiten und Kinderschminken, geplant für 400, da waren 600. Aber es war sehr schön, vor allem wenn man bedenkt, dass viele der kinder wahrscheinlich keine Weihnachtsgeschenke bekommen werden, denn sie sind zum grossenTeil Waisen oder beide Eltern sind arbeitslos und die ganze Familie lebt vom Kindergeld.

Am dritten Advent sind wir nach Durban gefahren. Eva, eine der anderen Praktikantinnen im Projekt, ist zurück nach Deutschland geflogen. Eigentlich wollten wir noch ein bisschen an den Strand, aber es war mal wieder kalt und regnerisch. Die zweite Variante, der indermarkt, war natürlicha uch geschlossen (Wie kann das denn sien eine Woche vor Weihnachten!?!) und so haben wir nur Eva zum Flughafen gebracht. Naja, wenigstens mal wieder in Durban gewesen... Annegret (die ältere Dame) ist jetzt über Weihnachten nach Johannesburg gefahren umihren Sohn zu besuchen und Anne (die andere Praktikantin) hat sich mit ihren Eltern auf eine Rundreise begeben, so hab ich das ganze Haus für mich.

Freitag und Samstag hab ich das gleich genutzt und mir Besuch eingeladen - Malindi und Azania. Wir haben kurzerhand Weihnachten vorverlegt und Pizza zum Weihnachtsessen erklärt. Neben einem Abstecher auf dem Flohmarkt und in der tatham Art Gallery (wo ich echt Südafrikanisch zubereitete Kuddeln probiert hab - geht) haben wir auch einige Zeit im Pool verbracht. Azania fand es nach ein bisschen Eingewöhnung da auch ganz toll.





Gestern war es dann doch noch ein bisschen deutsch-weihnachtlich. Ich hab die Familie Ngema besucht. Ulrike kommt aus Deutschland und hat einen Zulu geheiratet (sie haben sich in dresden kennen gelernt). Wir haben zusammen den Christbaum geschmückt und Stollen gegessen, mit den Kindern Weihnachtlieder gesungen. Eben alles was dazu gehört. Ausserdem wurde mir der seltene Luxus von echtem Bohnenkaffee gegönnt. Toll!

So, das solls von mir gewesen sein für heute. Ich wünsch euch allen alles Gute, ein fleissiges Christkind und benehmt euch!
Katharina.

Samstag, 8. Dezember 2007

Zuerst: Ich wuensche euch allen eine frohe, gesegnete, schneereiche Adventszeit!!! Ich hoffe, ihr findet alle ein bisschen Zeit fuer euch selbst und mit euren Familien.

Hier bei Annegret wurde das Haus letzte Woche sehr weihnachtlich geschmueckt: Mit Sternen, Adventskranz, Schokoladenkalender und Krippe. Es haengt sogar ein Herrnhuter Stern vor der Tuer. Zum Nikolaus bekam ich von meinen Eltern dann unter anderem 2 Schachteln Raeucherkerzen geschickt (Vielen Dank!!!!!), sodass einem ordentlichen deutschen Weihnachtsgefuehl nun nichts mehr im Wege steht.

Letzte Woche im Advendtsgottesdienst wurden denn auch die guten alten Lieder gesungen: Macht hoch die Tuer, Tochter Zion... Ich musste die ganze Zeit an zu Hause an den Schnee denken und einen Moment lang troffen mir Heimweh und Selbstmitleid aus allen Poren (Wochenenden sind immer gefaehrlich fuer sowas).

Diese Woche war wieder ausgefuellt mit der 16 Tage Kampagne, die noch bis zum 10. Dezember laeuft. Am Donnerstag waren wir in Howick bei einer Kundgebung. Howick, eigentlich bekannt fuer seinen Wasserfall und die vielen kleinen Kunstgewerbegeschaefte, ist eine kleine Stadt etwa eine halbe Stunde von PMB entfernt.


Es goss in Stroemen und die Temperaturen ueberstiegen kaum die 20 Grad Marke. Trotzdem war es sehr schoen, es waren einige Leute gekommen und die Regierung hatte einen Werbebus organisiert. Nach einem Marsch durch den Ort gab es dann besagte Kundgebung auf einer Wiese. Alles war voellig durchgeweicht. Zum Glueck hatte ich Sandalen an sonst haette ich nasse Schuhe gehabt. Natuerlich hatte ich am naechsten Tag eine ordentliche Erkaeltung, die ich auch immer noch mit mir rumschleppe. Aber ab morgen soll das Wetter besser werden und ich hoffe, dann bin ich das auch schnell wieder los.



Freitag war PACSA Weihnachtsfeier. Die meisten hoeren diese oder naechste Woche auf und gehen in ihren Weichnachts-/Sommerurlaub. Jeder bekam ein Geschenk und es war richtig schoene Stimmung. Es gab ordentlich Essen, Wein und Eis fuer alle. PACSA lebe hoch!!!

Leider regnet es heute immer noch und so musste ich die fuer heute geplante Wanderung leider absagen. Aber ich denke, Erkaeltung und Wandern im Regen ist einfach keine ganz so gute Kombination.

Zum Schlus noch ein bloedes Foto von mir mit meinem nagelneuen Springboks Rugby T-Shirt. nicht dass ich viel Ahnung von Rugby haette, aber ich dachte, das muss schon sein. Gehabt euch wohl!

Donnerstag, 29. November 2007

16 Days of Activism on No Violence Against Women and Children

Heute mal wieder was über meine Arbeit. Gestern hatten wir ein großes Event: Eine T-Shirt Kampagne bei der City Hall. Wir hatten 700 T-Shirts auf die Leute Botschaften zum Thema Missbrauch, häusliche Gewalt etc. schreiben sollten. Dann wurden die T-Shirts aufgehängt, damit alle die Botschaften lesen konnten. Es war ein toller Tag, die Sonne schien obwohl Regen angesagt war und alle hatten eine Menge Spaß.

Natürlich waren bis zur letzten Minute noch Sachen zu organisieren und bei einigen Dingen haben wir wirklich gezittert, ob alles gut geht. Aber am Ende hat alles geklappt: Wir hatten genügend Leinen, Farben und Klammern, die Leute waren zufrieden, die Musik hat funktioniert, die Redner haben ihren Job gemacht...



Selbstverständlich dauerte der "offizielle" Teil der Veranstaltung (in der City Hall mit Reden vom Bürgermeister, der Polizei, SOS Kinderdorf usw.) viel länger als geplant und so langsam aber sicher wurden die Leute unruhig und wollten nach Hause. Aber ich denke, das ist ja normal hier und ich glaube nicht, dass irgend jemand damit rechnet, dass hier etwas pünktlich anfängt oder aufhört. Das Problem: Dann kommen natürlich alle umso später und es verzögert sich noch mehr und weil die Leute das wissen, kommen sie noch später...

Im Foto übrigens: Meine liebe Kollegin Londi und ich. PACSA Mützen und T-Shirts gehörten natürlich mit dazu.



Nach einem langen und anstrengenden Tag dann noch ein James Bond Film und ab in die Heija. Müde und zufrieden und wieder mal ein bisschen stolz auf mich selbst.

Sonntag, 25. November 2007

Wandern, Weinprobe, Grillen und kein Meeting

Ein sehr schönes und auf seine Art erlebnisreiches Wochenende liegt hinter mir. Am Donnerstag bin ich wieder mal umgezogen und wohne jetzt wieder bei dem Projekt, wo ich schon einmal eine Woche verbracht habe. Ich teile mir die Wohnung mit Annegret, einer älteren Dame (die ganz sicher nicht so genannt werden will) und Anne und Eva, zwei Mädchen aus Krefeld, die für zwei Monate hier sind. Ich habe mein eigenes kleines Zimmer mit einem wackligen Gartentisch als Schreibtisch und wir verstehen uns alle sehr gut. Im Wohnzimmer/Büro steht gerade alles voll mit Papiertüten (im Bild mit Eva), denn bald ist eine Weihnachtsfeier für alle Kinder, die von diesem Projekt betreut werden. Gar nicht so einfach, zum fernsehen aufs Sofa zu kommen – aber bei drei Kanälen, auf denen eh meist nur Müll kommt, ist das nicht weiter tragisch.

Freitag war ich bei einem Braai (also zum Grillen) bei der indischen Familie, mit der ich schon einmal unterwegs war. Melissa, meine amerikanische Kollegin bei PACSA, geht Ende nächster Woche in die USA zurück und da sie einen Großteil der Zeit mit dieser Familie verbracht hat, war es eine Art Abschiedsessen. Da es den ganzen Abend genieselt hat, hat Minesh, der Herr im Hause Nunthoolall, draußen gegrillt, während wir drinnen mit den Kindern Monopoly gespielt haben. Es war alles natürlich wieder mal sehr lecker, ich habe herausgefunden, dass Cola durchaus als Marinade verwendbar ist und dass man Kartoffelsalat mit den Fingern essen kann.


Samstag war ich mit Walter und Liesbeth, einem älteren Ehepaar, wandern. Sie gehören zu einer Wandergruppe und sind immer mal unterwegs. Dabei habe ich auch endlich mal ein paar Tiere aus der Nähe gesehen: Eine Giraffe aus 20m Entfernung ist schon sehr beeindruckend! Aber ich mag auch die Tausendfüßler mit ihren roten Bäuchen sehr gerne und hab noch nie vorher einen 20cm langen und 2cm dicken Regenwurm gesehen. Natürlich hat es auf halber Strecke angefangen zu regnen und durch hohes Gras im Regen – das macht nasse Hosen. Wirklich.




Abends haben die beiden dann eine Weinverkostung veranstaltet. 6 gute südafrikanische Weine mit Verstand verkostet – macht am Ende trotzdem beschwipst (zumal wir dann von unserem Lieblingswein weitertrinken durften...)


Heute war dann Gottesdienst in Kenosis (dort, wo ich damals für die Hochzeit vergessen wurde). Hinterher sollte es für ein Schulprojekt bei dem ich dabei bin, ein vor-Ort Meeting geben, ganz in der Nähe von Kenosis. Kurz nachdem es eigentlich schon angefangen haben sollte, bekam ich einen Anruf, dass der Rest noch in Sobantu auf jemanden warten würde, dann aber bald käme. Da ich mich an die Zulu-Zeit inzwischen einigermaßen gewöhnt habe, rief ich erst eine Stunde später wieder an. „Ach, wir sind schon wieder auf dem Weg nach Durban. Das Meeting fällt aus, die Anderen sind nicht gekommen“. Saß ich also mal wieder in Kenosis fest. Ich wollte mich gerade auf den Weg zum Minibus Taxi machen, da meinte jemand, es wäre in der Nähe gerade ein Workshop zu Ende und diese Leute würden gleich in die Stadt fahren. Hoffnungsvoll gehe ich also dort hin – und treffe meine PACSA Kollegen! Ich weiß nicht, wer überraschter war. Nach einer fröhlichen Heimfahrt im 15er Bus war ich gegen 3 wieder zu Hause und hab es sogar noch geschafft, Ulfs Diplomarbeit Korrektur zu lesen. Es kommt also keine Langeweile auf!

Donnerstag, 22. November 2007

Kadreinerle proudly presents...

Nach laaaanger Stille heute kurz und schmerzlos mal wieder ein paar Zeilen.

Meine Arbeit geht ganz gut voran und ich geh noch jeden Tag hin. Momentan planen wir eine grosse Kampagne, die naechste Woche starten soll: "16 Days of Activism for no Violence Against Women and Children" (16 Tage Kampagne gegen Gewalt an Frauen und Kindern). Es gibt einen Schreibwettbewerb in der hiesigen Zeitung und eine T-Shirt Kampagne. Dabei sollen T-Shirts mit Botschaften versehen und ueber der Hauotstrasse aufgehaengt werden. Wir haben 600 Stueck, also denke ich, werden die Leute wohl mitkriegen dass was los ist. Natuerlich haben wir zu wenige Geschichten fuer den Schreibwettbewerb, die Haelfte der sachen ist noch unklar oder laeuft schief und die Projektleiterin ist die ganze Woche in Johannesburg und nicht wirklich erreichbar - man waechst mit der Herausforderung.

Hier noch schnell ein Bild meiner neuesten Errungenschaft, auf die ich auch ein bisschen stolz bin: Ein PACSA Aufsteller. Es gehoert natuerlich eine Kette und ein Schloss dazu, sonst waere er wahrscheinlichs schon weg. So Stueck fuer Stueck gewoehnt man sich daran, an solche Sachen von selbst mit zu denken.

Mittwoch, 14. November 2007

Das wahre Leben

Heute ist ein trauriger Tag bei PACSA. Letzte Nacht ist Tony, einer unserer Kollegen gestorben. Er war HIV positiv und hatte Tuberkulose in der Leber.

Letzte Woche war er im Krankenhaus, aber da sie dort nichts für ihn tun konnten, haben sie ihn zum sterben nach Hause geschickt, um Platz für jemanden zu haben, für den noch Hoffnung besteht. Daniela, unsere Direktorin, hat ihn bei sich aufgenommen und zu ihrer Ärztin gebracht, damit er ordentlich versorgt wird. Aber es war zu spät.

Es ist schlimm, jemanden wie Tony zu verlieren, denn in seinem Dorf war er derjenige, der alle gedrängt hat sich testen zu lassen und ihren HIV Status zu kennen, damit sie rechtzeitig behandelt werden und noch möglichst viele Jahre leben können. Das wird jetzt wohl aufhören.

Montag, 12. November 2007

Mal wieder ein Lebenszeichen

Nach langer Stille will ich mich heute mal wieder melden und euch ein paar Einblicke in meine Erlebnisse hier in Pietermaritzburg geben.

Vergangene Woche haben die Inder in der Stadt Diwali gefeiert. Soweit ich das mitbekommen habe, ist es das Fest der Lichter und so war denn auch jeden Abend Feuerwerk über der Stadt zu sehen und zu hören.

Samstag Abend gab es ein „Festival of Lights“, organisiert von Vodacom (ein Handyanbieter) und dem Golden Horse Casino hier in PMB. Da der Eintritt frei war, sind wir hingegangen. Eigentlich war es nicht viel anders als so eine Veranstaltung bei uns aussehen würde, nur gab es eben hauptsächlich Bollywood musik, neben Pommes konnte man auch Samosas kaufen und es gab eine Modenschau mit indischen Sachen, inclusive Sari und Turban. Bemerkenswert fand ich noch die Vodacom Maskottchen Mo und Moisha: Er sieht aus als hätte er Drogen genommen und einen kurzen Rock über den sich der Bauch wölbt - wirklich zum knuddeln... Dagegen ist der Kogel-Mogel nix! (Für alle die den Kogel-Mogel kennen...)

Als uns beim 15. rosa-goldenen Sari die Sache zu dämlich wurde, sind wir in den nächsten Pub gefahren und haben den Abend mit ein paar Bier ausklingen lassen. Ich glaube, bald hab ich alles Sorten durch 

Nach einem Familiengottesdienst zum Abgewöhnen hatte ich Sonntag morgen die Gelegenheit, mich mit dem einzigen Schwarzen unter den „jungen Erwachsenen“ zu unterhalten. Er ist ein Student aus dem Kongo. Durch den Bürgerkrieg musste er fliehen und ist in Südafrika gelandet. Seine Eltern sind tot und von seinem Bruder hat er seit Jahren nichts gehört und weiß nicht, ob er noch am Leben ist. Später hat mir jemand erzählt, dass er wohl manchmal nicht mal was zu essen hat. Er ist angehender Ingenieur, spricht Französisch und Englisch fließend und ein bisschen Portugiesisch. Traurig darüber nachzudenken, was er für eine Karriere haben könnte.

Montag, 5. November 2007

Ein Jahr älter

So, jetzt lass ich mal kurz die Arbeit Arbeit sein und schreib euch ein paar Zeilen. Nach all den vielen Glückwünschen die ich bekommen habe, bin ich euch das wiklich schuldig!

Montag Abend habe ich Bagels gebacken und am nächsten Tag mit auf Arbeit genommen. Die lieben Kollegen sind darüber hergefallen und ruckzuck war nix mehr übrig. Es scheint allen geschmeckt zu haben... Dem Geburtstagsliedklassiker "Happy Birthday to you" wurde übrigens noch die respektlose Strophe "How old are you now" (Wie alt bist du jetzt) hinzugefügt. Also von wegen, sowas fragt man Frauen nicht - scheint hier nicht ganz zu stimmen :-)

Leider haben wir den restlichen Tag im Meeting verbracht und nach mehreren Stunden ohne richtige Pause fiel es mir doch zunehmend schwer dem Ganzen zu folgen. Aber gähnen ohne dass es jemand merkt ist, finde ich, auch ein Kunststück.

Abends im Chor hab ich dann nochmal ein Ständchen bekommen und sogar ein Geschenk: Edna, die Pfarrfrau, überreichte mir ein kleines Päckchen. Als ich es zu Hause aufgemacht habe, sind mir fast die Augen aus dem Kopf gefallen: Eine Kerze mit einem Bild von erzgebirgischer Weihnachtsschnitzerei! Alle die es noch nicht wussten: Ich bin im Erzgebirge geboren und in unserer Familie hat jeder so seine diversen Räuchermännchen, Nussknacker etc. UNGLAUBLICH!!!






Der Rest der Woche war dann ziemlich voll mit Meetings bis in den Abend und meist bin ich nur zum Schlafen heimgekommen. War aber eigentlich nix was sich lohnen würde hier aufzuschreiben. Die Wochenendzusammenfassung gibts erst im Lauf der Woche. Wir hatten eine sehr schöne PACSA Party. Hier noch zum Abschluss ein Bild das ich neulich Abends aufgenommen hab. Manchmal hat es eben auch seine Vorteile, erst ein bisschen später heim zu kommen - man bekommt den kurzen Sonnenuntergang mit.

Freitag, 2. November 2007

Ich bin Nomvula

Herzlichen Dank für all eure Glückwünsche!!!

Es war so schön zu sehen, wer alles an mich gedacht hat! Da ich zur Zeit wirklich sehr beschäftigt bin, gibts die Zusammenfassung des Geburtstags leider erst nach dem Wochenende, aber eine Sache gibt es, die muss ich einfach loswerden:

Ich habe einen neuen Namen.

Dean Myaka (der Chef des hiesigen Kirchenbezirks) hat ihn mir gegeben. Nomvula heißt so viel wie "Mutter des Regens" und steht für Wohlergehen und Erfolg. Ich denke, ein Grund, mir diesen Namen zu geben, war wohl auch, mich bei der Stange zu halten, denn ich unterstütze ihn ein bisschen bei einem Projekt. Aber ich habe mich trotzdem sehr darüber gefreut und ich finde es eine große Ehre einen Zulu-Namen zu haben.

Montag, 29. Oktober 2007

Zu den Anfängen

Freitag hab ich mir (wieder mal) frei genommen und bin mit einer Bekannten nach Hermannsburg gefahren. Klingt irgendwie deutsch? Stimmt. Hermannsburg liegt in Norddeutschland, ganz in der Nähe von Celle. Und von da kamen die deutschen Missionare nach Südafrika, die dann hier Orte wie Neu Hannover, Wartburg oder eben Hermannsburg gegründet haben. Und: Über siebenhundert Ecken sind sie ja auch dafür verantwortlich, dass ich jetzt hier bin. Ulf, du weißt also jetzt, wer Schuld ist.




In Hermannsburg gibt es eine deutsche Schule und das alte Missionshaus wurde zum Museum umgebaut. Schon seltsam, mitten in Südafrika plötzlich in einem deutschen Heimatmuseum zu stehen. Natürlich war zufällig auch grad eine deutsche Reisegruppe da. Kurzer Plausch mit Konrad und Annerose aus Pirna, dann ging’s zurück nach PMB.

Die Landschaft ist übrigens gar nicht soooo anders als bei uns. Nur wird statt Getreide, Mais und Raps Zuckerrohr angebaut und die Bewaldung besteht nicht aus gut geschützten Nationalparkbäumen sondern aus profanen Kiefern, die hier einfach um einiges schneller wachsen als z.B. im kalten Deutschland und daher eine ganz gute Einnahmequelle sind.



Samstag hab ich endlich mal den tollen Blick eingefangen, den man von Hayfields aus hat. Will ich euch natürlich nicht vorenthalten. Bei der Gelegenheit hab ich mir auch mal wieder einen Sonnenbrand geholt...

Sonntag war dann Konfirmation. Leider hatte irgendjemand meinem Handy gesagt, auf Winterzeit umzustellen, wodurch der Tag etwas hektisch begann. Da Dorle’s Enkel einer der Konfirmanden war und die Feier in ihrem Haus stattfand, war natürlich einiges los und ich hab ihr ein bisschen geholfen (da sie an Krücken geht, ist sie immer froh, wenn jemand anderes das Tisch decken übernimmt). Und nachdem ich ja bei der Hochzeit vergessen wurde, war das endlich mal eine Gelegenheit, doch noch mein gutes Kleid anzuziehen...

Dienstag, 23. Oktober 2007

Go Bokke!!!

Zu Allererst: WIR SIND WELTMEISTER!!!!!!!

Samstag Abend hat Südafrika den Rugby Worldcup in Paris gewonnen. A Big Deal! Das ganze Land hat gefeiert, die Nachrichtensprecher trugen die Trikots der Springboks und Thabo Mbeki wurde von der Mannschaft auf Händen getragen (ich könnte mir vorstellen, dieses Bild kam vielleicht sogar in Deutschland?) Eigentlich ist es kaum möglich, nicht stolz zu sein, auch wenn man gar kein Südafrikaner ist. Aber bei den vielen Kulturen und Sprachen hier fällt ein kleines deutsches Mädel wie ich ja gar nicht auf... Sonntag bekam dann Grant, ein Bekannter folgende SMS:

„Power cut in Britain after everyone put on their kettle for tea... Shame, they don’t even have a cup to put it in!”

An alle die das nicht verstanden haben: Greift zum Wörterbuch und fitzt euch durch – schadet nix :-)



Freitag Abend war ich, wie angekündigt, bei einer indischen Party mit meinen beiden Kolleginnen Sonia und Melissa (aus Nebraska, auch eine Praktikantin bei PACSA). Im Nachhinein finde ich, mein indisches Outfit sah eher aus wie ein Schlafanzug, aber so what! Nach einigen ziemlich schrecklichen Gesangs- und besseren Tanzeinlagen gab es Essen. So viele verschiedene Sorten Curry hatte ich noch nie auf dem Teller. Leider war es dadurch auch nicht mehr möglich zu sagen was wie geschmeckt hat, denn alles war durchmischt und ich weiß nur, es war recht würzig und ziemlich scharf. Zum Nachtisch gab es eine etwas schleimige Masse, in die man eine Art Cracker dippen sollte (war aber ganz lecker) und etwas ziemlich gelbes, das ein bisschen so geschmeckt hat wie ungebackener Mürbeteig. Ich bin mir sicher, die haben mir erzählt wie alles heißt, aber leider kann ich mich nicht mehr daran erinnern.



Sonia sah aus wie eine Königin in ihren weißen Sachen und dem ganzen Schmuck. Auf dem Bild ist noch Sonias Mutter zu sehen, eine der Frauen, die alle indischen Rezepte weiß. Ich glaub, mit ihr sollte ich mich noch ein paar mal treffen. Wir haben uns alle super verstanden, auch mit Sonias Mann Manesh und ihren beiden Kindern Megan und Mikhial. Sonia und Manesh sind eins der Paare, denen man richtig anmerkt, wie glücklich sie zusammen sind. Sie necken sich den ganzen Tag und lachen viel. Ich hatte auch gar nicht das Gefühl, sie erst kennen gelernt zu haben.

Sonntag war dann Konfirmandenvorstellung im Gottesdienst. Der Pfarrer hat sich als hindu verkleidet und die Konfis ausgefragt und sie mussten ihren Glauben, die Kirche und die Bibel erklären. Waren ganz schön tricky Fragen und einmal wusste selbst der Vikar nicht weiter. Aber war gut gemacht und die Konfis haben sich gut geschlagen.

Abends war dann noch ein Konzert des Posaunenchors. Konnte man sich wirklich anhören (ich hab leider Posaunenchören gegenüber immer ein paar Vorbehalte – sorry an alle Zehen auf die ich damit trete...).

Soweit so gut. Mehr demnächst.

Donnerstag, 18. Oktober 2007

WG im Altersheim...

... oder besser gesagt: In der Seniorenresidenz Luthergarten. Glaubt es oder nicht – so heißt der Ort, an dem ich die nächsten 4 Wochen wohnen werde (und dabei ist der Begriff „Lutheran Gardens“ wirklich nur für die paar, die eben gar kein deutsch können).

Nachdem ich jetzt eine Woche lang bei „Save a Child“ gewohnt habe, sind dort gestern 2 Mädels aus Deutschland angekommen, die das Zimmer brauchen. Eigentlich sollte ich in der Zwischenzeit zum Pfarrer ziehen, aber dann hat Dienstag Abend im Chor Dorle, eine sehr nette, rüstige alte Dame, angeboten, ich könnte doch bei ihr wohnen. Ich hatte erst Bedenken, denn in meiner Vorstellung dachte ich an eine 2-Zimmer Altenheimwohnung. Statt dessen ist der Luthergarten eine Versammlung von relativ wohlhabenden, großenteils deutschsprachigen Senioren, die sich hier eine Siedlung von Backsteinhäusern gebaut haben. Mit elektronischem Tor und allem was dazu gehört. Da werd ich wohl in den nächsten Tagen die Sensation sein.

Ich habe ein ziemlich großes Zimmer mit Doppelbett und großem Schrank. Ein Zimmer hat Dorle und eins ist frei. Die Küche ist relativ groß und es gibt eine sehr gemütliche Sitz- und Fernsehecke. Und das allerbeste ist: Ich muss noch nicht mal was bezahlen. Dorle meinte, ich soll lieber ab und zu was zu essen einkaufen, wenn ich sowieso in der Stadt bin. Wahnsinn!

In der letzten Zeit habe ich oft an einer Stelle aus der Bibel denken müssen, die sich hier sehr für mich bewahrheitet (frei wiedergegeben):

„Seht die Vögel unter dem Himmel an.
Sie säen nicht, sie ernten nicht
und Gott der Herr ernährt sie doch.
Seid ihr nicht mehr als sie?“

Auch wenn alles immer ein bisschen chaotisch läuft und sich manchmal erst in der letzten Minute klärt – irgendwie kommt immer alles zurecht und treffe ich hier immer wieder auf Leute, die mir weiterhelfen. Ich denke, dafür kann ich wirklich dankbar sein.

Übrigens: Am Freitag bin ich zu einer indischen Feier eingeladen (diesmal hab ich schon das Ticket, also werd ich wohl auch hingehen...) Sonia, meine Arbeitskollegin, will mir ein paar von ihren Sachen leihen und mich indisch einkleiden. Ich bin schon sehr gespannt und werd natürlich die Kamera im Anschlag halten!

Samstag, 13. Oktober 2007

Das Wochenende

Heute wieder mal eine Zusammenfassung meines Wochenendes. Ich versuche mich kürzer zu fassen...

Samstag wollte ich an einem Leadership Workshop der Lutheran Youth in Eastwood teilnehmen. Um den ganzen Fleischbergen entgegen zu wirken, die man hier so zu sich nimmt, entschloss ich mich zu laufen. Ich hatte mir den Weg auf der Karte angesehen und etwa 1h Zeit eingeplant – quer durch die Stadt. Voller Tatendrang und optimistisch wie ich bin, lief ich kurz nach 8 Uhr los. Ohne Stadtplan. Ein Fehler.

Durch die Stadt fand ich mich noch gut, wenn es auch weiter war als ich vermutet hatte. Ich würde auf jeden Fall zu spät kommen. Noch war ich aber guten Mutes und ging flotten Schrittes voran. Leider konnte ich dann den Abzweig nach Eastwood nicht finden. Nachdem ich von 3 Leuten in 3 verschiedene Richtungen geschickt worden war und mich nach 2h Fußmarsch durch die Sonne (danke Mama für die Sonnencreme!!!) in einem muslimischen Viertel wiederfand, begann ich doch, mich in meinen ¾ Hosen und dem ärmellosen Oberteil etwas unwohl zu fühlen und entschloss mich, den Rückweg anzutreten. Das war wohl nix. (Im Bild uebrigens nicht das muslimische Viertel, sondern die PMB City Hall)

Auf meinem Weg durch die Stadt traf ich dann noch auf Guidance, einen Rastafari und Bekannten von Malindi, der einen Stand auf dem Flohmarkt in der Church Street, gleich neben der Gandhi Statue hat. Ich hab mich ein paar Minuten mit ihm unterhalten und wir haben beide herzlich über mein Missgeschick gelacht.

Nach insgesamt 3h unterwegs durch die Stadt erreichte ich endlich wieder das Haus und konnte meine blasigen Füße versorgen. Eine Runde Mitleid bitte!

Sonntag waren wir dann im deutschen Gottesdienst - und wenn ich deutsch sage, meine ich richtig deutsch! Mit schwarzem Talar und unserem Gesangbuch. Aber es war sehr schön, sich nach dem ganzen Zulu und Englisch wieder mal so richtig heimisch zu fühlen. Es war auch ein Schwarzer im Gottesdienst, was mich gewundert hat. Und - wie könnte es anders sein - der sprach mich natürlich hinterher auch an. In der typischen Weise, wie es hier bei schwarzen Männern gegenüber weißen Frauen anscheinend immer ist: "Wie heißt du? Wo kommst du her? Bist du verheiratet? Kann ich deine nummer haben?" Was soll man dazu noch sagen...

Ansonsten war ich dann gestern Abend nach der Areit noch bei einem meeting. Es war für 4:00 Uhr angesetzt und sollte ca. 1h dauern. eider war halb 6 der Mann vom Dept. of Agriculture (wegen dem das alles veranstaltet wurde) immer noch nicht da und so wurde eben einfach ohne ihn diskutiert (ich bezweifle, dass die Anwesenden ausreichend Fachwissen hatten, um wirklich sinnvolle Entscheidungen zu treffen...). Halb 8 war ich dann endlich zu Hause. Aber war doch interessant mal zu sehen, wie ein "Zulu-Meeting" hier so läuft. Da werd ich mich in Deutschland wohl nie wieder aufregen, wenn mal was ne halbe Stunde länger dauert als geplant.

Unterwegs im Township

Gestern hatte ich frei und habe den Tag genutzt, um die Organisation, bei der ich zur Zeit wohne und für die ich bald auch arbeiten werde, etwas näher kennen zu lernen.

Gemeinsam mit Thandi und Polo, den beiden Sozialarbeitern, bin ich nach Imbali gefahren, um Kinder zu besuchen, die von „Save a Child“ unterstützt werden. Es ist sehr erschreckend zu sehen, wie einige der Kinder leben. Beispielsweise haben wir eine junge Mutter besucht (22), die mit ihrer 7-jährigen Tochter in einer Lehmhütte wohnt. Die Großmutter, die das Geld verdient hat, ist vor 3 Wochen gestorben. Da die junge Mutter die Schule abgebrochen hat, hat sie keinen Abschluss und ist arbeitslos, das heißt, sie hat wirklich überhaupt kein Einkommen. Die beiden leben momentan von monatlich 200 Rand Kindergeld, was umgerechnet etwa 20,-€ sind.

Was mir aufgefallen ist: In den meisten Townships ist um die Hütten ziemlich viel Platz, wo einfach Gras und Unkraut wachsen. Ich habe gefragt, warum dieser Platz nicht genutzt wird, um Gemüse anzubauen, was ja zumindest bei den aller Ärmsten die Ernährungslage deutlich verbessern könnte. Aber die Leute hier wissen einfach nicht, wie man Gemüse anbaut. Was für uns selbstverständlich ist – Erde umgraben und Samen rein, vielleicht ab und zu gießen, wenn es nicht genug regnet, haben sie einfach nie beigebracht bekommen.

Was ich an dieser Organisation hier kritisch finde, ist, dass sie bei den Kindern ansetzt. Sicher profitiert davon die ganze Familie und sicher ist es auch einfacher, Spenden für Kinder zu sammeln als für irgendwas anderes. Aber wäre es nicht viel sinnvoller, den Eltern auf die Beine zu helfen, damit sie selbst für ihre Kinder sorgen können? Damit sie selbstbewusste und eigenständige Menschen werden können, anstatt immer wieder zu lernen, abhängig von der Mildtätigkeit anderer zu sein? Vor allem eine so junge Mutter sollte man doch lieber zur Schule schicken oder ihr eine Berufsausbildung ermöglichen anstatt ihr monatlich einen Gutschein für Lebensmittel zu geben. Wenn sie wüsste, wie sie das Stückchen Land um ihre Hütte bearbeiten könnte, wäre sie darauf nämlich gar nicht angewiesen.

Donnerstag, 11. Oktober 2007

Heut nur kurz

Ich denke, die letzten beiden Einträge waren ziemlich lang und da ich allen die Chance geben will, meine Ergüsse auch zu lesen, heut nur ein paar Zeilen und dafür auch mal wieder Bilder...




Erst mal ein Blick über PMB. Laut Statistik hat die Stadt zwischen 100 und 400.000 Einwohner, je nachdem was man alles dazu zählt. Vom Gebiet her ist sie ziemlich riesig, aber es gibt auch kaum mehrgeschossige Häuser, nur ein paar im Zentrum. Ansonsten sind die Gebäude alle flach, luxuriöser oder ärmlicher je nach Gegend.

Für alle, die Südafrika kennen, einer der Fernwehauslöser schlechthin: Die blühenden Jaquaranden. Die Blätter kommen erst raus wenn die Blühten weg sind und so ist es ein bisschen so als hätte man ganze Alleen von Glockenblumenbäumen. Wenn man auf einem Hügel steht, sieht man sie überall hinter den Häusern aufleuchten. Ich liebe diese Bäume!




Und hier noch – sozusagen als Beweis – ein Foto meines Arbeitgebers. Es ist tatsächlich nur das kleine Haus in der Mitte und es sieht ein wenig seltsam aus, wie es sich da zwischen die beiden großen Gebäude duckt. Nach hinten geht es weiter raus als man vermutet und es gibt sogar 2m² Rasen mit einer Gartenbank.

Mittwoch, 10. Oktober 2007

Job und Zimmer

Gute Neuigkeiten: Ich hab endlich mit meinem Praktikum angefangen! Heut war mein erster Tag bei PACSA und mir schwirrt noch richtig der Kopf von den ganzen Infos die ich über die Organisation gelesen habe. Keine Angst, ich schreib das jetzt nicht alles auf. Hier nur eine kurze Zusammenfassung:

PACSA ist eine Non-Profit und Nicht Regierungsorganisation mit Hauptsitz im Zentrum von PMB. Ausgeschrieben bedeutet das „Pietermaritzburg Agency for Christian Social Awareness“. Die Arbeitsfelder sind so interessant wie vielfältig. Eine große Rolle spielt natürlich die Abteilung für HIV/AIDS, die immer wieder Aufklärungskampagnen macht, in Schulen geht, Infomaterial druckt, ... Als nächstes wäre die Abteilung für Konfliktmanagement zu nennen. Hier wird vor allem mit Jugendlichen gearbeitet und es geht eigentlich um alle möglichen Konflikte, die Jugendliche so haben, von Gruppendruck bis Teenage Schwangerschaften (von denen es hier wirklich viele gibt). Dann gibt es noch die Abteilung für Demokratie und Partizipation, bei der es darum geht, den Leuten Demokratie „beizubringen“, ihnen also zu erklären wie Entscheidungen auf Kommunalebene getroffen werden, was sie tun können um ihr Recht auf Wasser wahrzunehmen (das hier nicht alle bezahlen können und deshalb auch mal abgestellt werden kann – aber immerhin gibt es ja ein Menschenrecht auf Trinkwasser) oder auch, wie sie sich organisieren und Interessenvertretungen gründen können. Das ist noch lange nicht alles, aber ich denke, für einen Eindruck reicht es.

Ich bin in der Kommunikationsabteilung und soll eine kleine Forschungsarbeit darüber machen, wie bekannt und etabliert PACSA in der Gesellschaft (Kirchen, Unternehmen, Einzelpersonen, ...) ist und wie man die öffentliche Unterstützung ankurbeln kann.

Wer mehr ueber die Organisation wissen will, kann auch einfach unter www.pacsa.org.za nachlesen.

Ich freu mich wirklich schon auf die arbeit. Heut wurde ich allen vorgestellt (wobei ich mir glaube nur 2 Namen gemerkt habe) und muss sagen, dass es wirklich eine tolle Truppe ist. Der Großteil ist schwarz, es gibt aber auch einige wenige Weiße und zwei Inderinnen.

Inzwischen bin ich auch bei der Bastew Familie ausgezogen. Diese Woche wohne ich bei einem Projekt das „Rette ein Kinderleben / Save a Child“ heißt. Die Leitung dessen liegt in der hiesigen deutschsprachigen Gemeinde. Es ist ein Patenschaftsprojekt mit Paten aus Deutschland und Kindern in 2 Schulen hier, v.a. AIDS-Waisen aber auch anderen bedürftigen Kindern. Geleitet wird es vom Vikar der deutschsprachigen Gemeinde, René. Gestern Abend haben sie die Zusage für die Finanzierung eines 200.000 € Bauprojekts bekommen und René hat einen anderen Praktikant und mich zum Bier eingeladen. In einer gemütlichen Kneipe gab es Windhoek und Amarula, dazu einen verflixt leckeren cross gebackenen Kartoffel-Käse Snack mit Sour Cream. Zum Glück muss ich jetzt immer 30’ auf Arbeit laufen...

Heut hat sogar die Sonne wieder geschienen, ihr seht also – alles wird gut, man muss nur daran glauben!

Dienstag, 9. Oktober 2007

Einsam und Vergessen

Eigentlich hatte ich euch diese Woche einen ausführlichen Bericht und tolle Fotos von einer Traumhochzeit in weiß und pink reinstellen wollen. Das Problem dabei: Ich war nicht dort. Das kam so:

Da für das Hochzeitswochenende viele Gäste erwartet wurden, bat mich Meryl, mir doch eine andere Unterkunft zu suchen. Also rief ich in Kenosis an, etw außerhalb von PMB. Dort gibt es eine Art Kinderheim und auch ein Haus, in dem die Freiwilligen leben, die dort jeweils für ein Jahr arbeiten: 4 deutsche Mädels. Ich hatte sie vor einer Woche schon kennen gelernt und wir hatten uns gut verstanden. Ich rief also die Leiterin an und es war gar kein Problem übers Wochenende dort hin zu kommen, allerdings waren die Mädels alle nicht da. 2 in Pretoria und 2 in Durban. Kein Problem, ich bin ja wegen der Hochzeit eh nur zum Schlafen da. Dachte ich.

Meryl brachte mich Freitag hin und meinte, sie würde mich dann Samstag abholen. Vielleicht schafft sie es nicht zur Trauung, aber hinterher zur Party auf jeden Fall. Alles klar, ich freu mich schon!

Samstag war ich deshalb auch nicht überrascht, als niemand kam um mich für die Trauung 11:00 abzuholen, aber als sich dann um drei immer noch niemand gemeldet hatte, wurde ich doch langsam unruhig und fing an, SMS zu schreiben. Keine Reaktion. Also verbrachte ich den Samstag zunehmend frustriert und alleine mit der Katze (die mich fast noch in die Hand gebissen hätte) und einem Buch. Das hatte ich mir anders vorgestellt.

Sonntag holte mich dann Mr. Mbuyisa zum Gottesdienst ab. Der sollte eigentlich 9:00 anfangen, als aber fünf nach neun immer noch niemand aufgekreuzt war, dachte ich schon, ich wäre wieder vergessen worden. Gerade wollte ich eine frustrierte SMS an Ulf schreiben, da kam er um die Ecke und entschuldigte sich, dass er zu spät war. Zum Glück war es nicht weit zur Kirche in Eastwood, einem Stadtteil im Osten der Stadt, denn der Gottesdienst hatte schon angefangen.

Da es hier an Pfarrern mangelt, gibt es (zumindest für meinen Eindruck) recht viele Laienprediger. Und so war es Mama Mbuyisa, die vor der Gemeinde stand und den Gottesdienst hielt. Das Problem war: auf Zulu. Ich verstand also kein Wort. Zum Glück hatte ich meine englische Bibel eingesteckt und konnte so zumindest die entsprechenden Stellen nachlesen. Die Lieder waren größten Teils auch in Zulu und ich bemühte mich, einfach mitzusingen, und die verschiedenen Klicklaute so gut es ging nachzuahmen. So langsam begreife ich den Unterschied zwischen „gc“ und „q“. Ich musste mich dann noch kurz vorstellen und einige erkannten mich sogar noch. Am Ende des Gottesdienstes gingen alle nach vorn und gaben sich der Reihe nach die Hand, so dass sich im Prinzip jeder von jedem verabschiedet hatte.

Dann ging es weiter nach Sobantu, einem benachbarten Stadtteil, wo auch Gottesdienst war. Dort hatte er auch 9:00 angefangen, aber es war erst etwa die Hälfte um. Hier sah ich auch die Betfrauen in ihrer typischen schwarzen Tracht mit weißen Kragen und Mützen (nächstes Mal muss ich das unbedingt fotografieren!). Da nur noch ganz vorn was frei war, ging ich mit Mama Mbuyisa durch den Mittelgang – und wurde von der Hälfte der Frauen umarmt. Ich weiß nicht, ob sie sich wirklich noch an mich erinnern konnten (immerhin ist das schon 4 Jahre her), aber sie wussten meinen Namen und es war sehr schön so herzlich empfangen zu werden. Blöd: hier wurden zum Singen keine Textbücher verwendet und so konnte ich nicht mal so tun als würde ich mitsingen.

Erst gab es Abendmahl, wobei Mr. Mbuyisa die Leute von hinten nach vorn aus den Bänken scheuchte und jedem ein Zeichen gab, wann er zu gehen hatte und Baba Sabela vorn aufpasste, dass alles seine Ordnung hatte. Ganz zum Schluss waren die Kinder dran, die gesegnet wurden und jeder eine Süßigkeit bekamen. Dann wurde die Kollekte gesammelt, einzeln für jede Gruppe: Jugend, Männer, Frauen, Arbeiter, Sonntagsschule, Abendmahl. Jeder der sich zu der entsprechenden Gruppe zugehörig fühlte, ging raus vor die Tür und dann kam die ganze Prozession singend und in diesem typischen Wiegeschritt, der bei uns Deutschen immer ziemlich verkrampft aussieht, wieder rein, bis vor an den Altarplatz, wo ein Tisch mit Schüsseln stand, in die das Geld geworfen wurde. Da alles in Zulu angekündigt wurde, hab ich natürlich nicht allzu viel mitbekommen und die Jugendrunde verpasst. Als ich dann dachte, einfach bei den Frauen zu gehen, wurde ich sofort von Baba Sabela zurück gerufen und von der gesamten Gemeinde ausgelacht. Ich bin doch keine Mama!

Als der Gottesdienst vorbei war, freute ich mich schon an die frische Luft zu kommen, denn nach 2h Zulu konnte ich inzwischen ein Gähnen kaum noch unterrücken. Pustekuchen! Es schloss sich eine Diskussion an, die noch mal fast eine Stunde ging. Und natürlich auch in Zulu geführt wurde. Ich habe nur mitbekommen, dass es wohl um Geld ging, weil immer mal das Wort „Rand“ fiel und die Zahlen auf englisch gesprochen werden. Hinterher hat mir ein Mädchen erzählt, dass es darum ging, für den alten Pfarrer Abschieds- und für den neuen Pfarrer Willkommensgeschenke zu kaufen. Dabei ist mit diesen Geschenken nicht einfach ein hübsches Andenken gemeint, sondern Dinge wie Waschmaschine, Kühlschrank und Möbel, für die die Gemeindemitglieder sammeln müssen. Das sollte man doch in Deutschland mal in einer Gemeinde zur Debatte stellen...

Gestern hat mich dann Pfarrer Mudau aus Sobantu abgeholt, um darüber zu sprechen, was ich in der Zeit, die ich jetzt hier bin so machen will. Ich war inzwischen wieder in Kenosis und hatte ihm den Weg beschrieben. Trotzdem hatte er sich verfahren (ich weiß, einige werden das auf meine mangelhaften Wegbeschreibungsfähigkeiten zurückführen, aber wenn ich vor 2’ gesagt habe, direkt nach Little Farm rechts runter und er fährt geradeaus weiter – was soll man da machen?) und war beim Wenden im Matsch stecken geblieben. Es hatte nämlich schon wieder seit Sonntag Abend geregnet. Als er es schließlich doch irgendwie zu mir geschafft hatte, waren er und sein Vikar (an alle nicht-Kirchler: Das ist ein angehender Pfarrer, der eine Art Referendariat macht, ähnlich wie bei Lehrern) völlig durchgeweicht und dreckig. Und heilfroh über den heißen Kaffee.

Nach unserem Gespräch hat er mich dann wieder bei Bastews abgesetzt und so sitze ich nun wieder hier und warte, dass vielleicht wenigstens der Regen aufhört. Aber da hab ich heut nicht viel Hoffnung.

Nachher holt mich Pfarrer Müller ab, ein Deutscher, der anscheinend jemanden kennt, wo ich den Rest der 6 Monate wohnen kann. Ich freu mich schon ihn kennen zu lernen (wobei ich mich im Moment über alles freue, was mich in irgendeiner Weise beschäftigt).

Bald mehr, aber ich will euch ja auch eine Chance geben, das alles zu lesen ;-)

Seid herzlich gegrüßt und schreibt mir mal was aus der Heimat. Ich freu mich immer, von jemandem was zu hören!

LG Katharina.

Donnerstag, 4. Oktober 2007

Langeweile und schlechtes Wetter

Da ich momentan immer noch zu Hause rumsitze und darauf warte, dass nächste Woche hoffentlich mein Praktikum endlich losgeht, es draußen regnet und ich somit nicht mal den Pool genießen kann, dachte ich, ich nutze die Zeit und stell euch die Fotos vom Grundstück rein, die ich euch versprochen hab.

Ein verlockender Pool im Sonnenschein. Ich hätte ihn gestern wirklich nutzen sollen, als wir fast 30° hatten. Just hab ich mir natürlich auch einen Sonnenbrand geholt, obwohl ich gar nicht viel draußen war.






Das Haus. Eine Etage, kein Keller. Innen ist alles gefliest (was an einem Tag wie heute ganz schön für kalte Füße sorgt). Wärmedämmung ist Fehlanzeige und das Dach hat keine Fenster, sonst könnte man da sicher noch 1-2 Zimmer einrichten. Aber ich vermute mal, da oben ist im Sommer ein ziemlicher Backofen...

Und die Bananenstaude, um euch auch ein Gefühl von Exotik zu vermitteln ;-) Es hängen sogar Bananen dran, die sind aber noch grün. Im Nachbargarten gibt es einen Papayabaum und die Zitronen für den Tee pflücke ich gleich neben dem Haus (die nimmt aber niemand außer mir und sie sin auch definitiv nicht EU genormt, so schrumplig und unfoermig wie die aussehen).


Hier herrscht im Moment ein ziemliches Aprilwetter: es springt von 30 zu 16° und zurück, gestern war es sonnig, vorgestern ziemlich windig und heute regnet es schon den ganzen Tag. Am Wochenende wird Dane, der älteste Sohn meiner Gastfamilie, heiraten. Deshalb sind alle zur Zeit ganz verrückt auf den Wetterkanal, um zu sehen, ob es Samstag regnet oder nicht. Bisher sind 25° und Wolken gemeldet, wir werden sehen.

Meryl hat sich die letzten Tage vor der Hochzeit freigenommen, um die letzten Dinge zu organisieren. Sie ist den ganzen Tag unterwegs und ziemlich gestresst. Gestern Abend kamen Granny und Aunty und wir haben kleines Dekozeugs gebastelt mit weißen und rosa Süßigkeiten. Und heut hat Merl rosa Kerzen vom Einkaufen mitgebracht. Soweit ich das sehen kann, wird es wohl eine kitschig-romantische Hochzeit werden wie sie im Buche steht. Übrigens – es werden 250 Leute erwartet!

Montag, 1. Oktober 2007

Malindi

Mein erstes Wochenende habe ich bei Malindi verbracht, meiner Brieffreundin seit etwa 10 Jahren. Sie wohnt in der Stadt und hat ein kleines Zimmer.

Das ist schon etwas anderes als bei Meryl und Bruce mit Swimming Pool und Maid - in den anderen 3 Zimmern wohnen jeweils so 4-5 Leute (es ist aber nur Platz fuer ein Bett), es gibt nur kaltes Wasser und Sonntag frueh keinen Strom. Das heisst, sie muss immer genuegend warmes Wasser in der Thermosflasche bereit halten, um fuer ihre kleine Tochter Azania die Milch warm zu machen.

Trotzdem, ich finde sie sieht doch aus wie eine sehr schoene und glueckliche Mutter, oder?

Insgesamt ist mir aufgefallen, dass hier niemand einen Gedanken aufs Energiesparen verwendet. Durch die Fenster und Tueren ziehts durch, Maindi heizt ihr kleines Zimmer mit der Herdplatte, im Bad laeuft den Ganzen Tag der Wasserhahn und Licht und Fernseher sind sowieso immer an.

So langsam kommt auch mit einem Job was ins Rollen. Meryl hat mich zu verschiedenen Sachen hingefahren und es scheint, als koennte ich ab naechster Woche oder so eine Forschungsarbeit bei einer Sozialorganisation machen. Die wollen ihr Fundraising verbessern und ihre Organisation in der Stadt bekannter machen.

Samstag, 29. September 2007

Gleiches und Anderes

Hallo alle miteinander!

Nach zwei Tagen hier habe ich festgestellt: So anders als bei uns ist es hier gar nicht. Die Zaehne putzt man sich mit Sensodyne und Colgate, zum Fruehstueck gibts Kellogs udn Mr. Propper ist hier einfach Muscle Man. Im Moment bin ich gerade in der Midlands Mall, etwa vergleichbar mit der Altmarkt Gallerie, hur alles auf einer Etage.

Aber es gibt auch einige Sachen, die sind anders als bei uns. Beispielsweise klicken die Leute beim Fahren immer ihre Autos von innen zu. Bruce, der Vater meiner Gastfamilie, hat mir im Stadtplan gleich alle Strassen markiert, die ich auf jeden Fall meiden soll (das ist das halbe Zentrum), man hat an jeder Ecke jemanden stehen, der solche Dinge tut wie Parktickets verteilen, Einkaufstaschen ins Auto tragen, einem beim Tanken hilft etc.

Meine Gastfamilie hat ein Maid, also eine Frau die jeden Tag zum Putzen kommt. Gestern morgen kam ch aus dem Bad, da war mein Bett schon gemacht. Komisches Gefuehl.

Bis bald!
Katharina.

Freitag, 28. September 2007

Angekommen

Hallo!

Herzlichste Gruesse aus Pietermaritzburg an alle die welche haben wollen!

Nach 1 1/2 Tagen unterwegs bin ich Mittwoch Nacht endlich angekommen und habe gestern einen faulen (und eigentlich langweiligen) Tag bei meiner Gastfamilie verbracht.

Gestern war es haesslich kalt hier und ich hab mir im Flugzeug Halsschmerzen geholt. Aber heut sind es 27 Grad, die Sonne scheint und ich schwitze. So sollte es doch sein.

Leider kann ich euch keine verlockenden Fotos vom Pool im Sonnenschein schicken, weil ich hier keinen USB Anschluss habe, aber das wird so schnell wie moeglich nachgeholt.

Pietermaritzburg ist eine ziemlich quirlige Stadt mit kleinen Laeden in jedem Haus entlang der Strasse. Ich denke es gibt hier viel zu entdecken und bin schon gespannt, was die naechsten Tage so bringen werden. Auf jeden Fall brauche ich erst mal was zu tun!

Soweit erst mal fuer jetzt. Bastews haben eine Flatrate (yippieah!), wenn die mal wieder gehen sollte, sc hreib ich mehr und werd auch Bilder reinstellen.

Machts gut, blaibt gesund und bis bald!
LG Katharina

Dienstag, 25. September 2007

Und Tschüß!

Das Wetter wird wieder regnerisch, die Abschiedsfeiern sind gefeiert und wenn ich jetzt noch lang hier bleibe, fang ich bloß an zu heulen. Höchste Zeit also, sich in den Zug Richtung Frankfurt zu setzten und ab nach Süden! In 3h gehts los.

Aber ich gebe es zu, es sind schon gemischte Gefühle, vor allem weil ich meinen Ulf hier lassen muss. Den würd ich doch am liebsten noch schnell in den Koffer stecken (und den Bikini dafür hier lassen...)



Also dann - wir sehen uns im März, bleibt alle schön gesund und ich wünsch euch jede Menge Schnee!

LG Katharina.