Eigentlich hatte ich euch diese Woche einen ausführlichen Bericht und tolle Fotos von einer Traumhochzeit in weiß und pink reinstellen wollen. Das Problem dabei: Ich war nicht dort. Das kam so:
Da für das Hochzeitswochenende viele Gäste erwartet wurden, bat mich Meryl, mir doch eine andere Unterkunft zu suchen. Also rief ich in Kenosis an, etw außerhalb von PMB. Dort gibt es eine Art Kinderheim und auch ein Haus, in dem die Freiwilligen leben, die dort jeweils für ein Jahr arbeiten: 4 deutsche Mädels. Ich hatte sie vor einer Woche schon kennen gelernt und wir hatten uns gut verstanden. Ich rief also die Leiterin an und es war gar kein Problem übers Wochenende dort hin zu kommen, allerdings waren die Mädels alle nicht da. 2 in Pretoria und 2 in Durban. Kein Problem, ich bin ja wegen der Hochzeit eh nur zum Schlafen da. Dachte ich.
Meryl brachte mich Freitag hin und meinte, sie würde mich dann Samstag abholen. Vielleicht schafft sie es nicht zur Trauung, aber hinterher zur Party auf jeden Fall. Alles klar, ich freu mich schon!
Samstag war ich deshalb auch nicht überrascht, als niemand kam um mich für die Trauung 11:00 abzuholen, aber als sich dann um drei immer noch niemand gemeldet hatte, wurde ich doch langsam unruhig und fing an, SMS zu schreiben. Keine Reaktion. Also verbrachte ich den Samstag zunehmend frustriert und alleine mit der Katze (die mich fast noch in die Hand gebissen hätte) und einem Buch. Das hatte ich mir anders vorgestellt.
Sonntag holte mich dann Mr. Mbuyisa zum Gottesdienst ab. Der sollte eigentlich 9:00 anfangen, als aber fünf nach neun immer noch niemand aufgekreuzt war, dachte ich schon, ich wäre wieder vergessen worden. Gerade wollte ich eine frustrierte SMS an Ulf schreiben, da kam er um die Ecke und entschuldigte sich, dass er zu spät war. Zum Glück war es nicht weit zur Kirche in Eastwood, einem Stadtteil im Osten der Stadt, denn der Gottesdienst hatte schon angefangen.
Da es hier an Pfarrern mangelt, gibt es (zumindest für meinen Eindruck) recht viele Laienprediger. Und so war es Mama Mbuyisa, die vor der Gemeinde stand und den Gottesdienst hielt. Das Problem war: auf Zulu. Ich verstand also kein Wort. Zum Glück hatte ich meine englische Bibel eingesteckt und konnte so zumindest die entsprechenden Stellen nachlesen. Die Lieder waren größten Teils auch in Zulu und ich bemühte mich, einfach mitzusingen, und die verschiedenen Klicklaute so gut es ging nachzuahmen. So langsam begreife ich den Unterschied zwischen „gc“ und „q“. Ich musste mich dann noch kurz vorstellen und einige erkannten mich sogar noch. Am Ende des Gottesdienstes gingen alle nach vorn und gaben sich der Reihe nach die Hand, so dass sich im Prinzip jeder von jedem verabschiedet hatte.
Dann ging es weiter nach Sobantu, einem benachbarten Stadtteil, wo auch Gottesdienst war. Dort hatte er auch 9:00 angefangen, aber es war erst etwa die Hälfte um. Hier sah ich auch die Betfrauen in ihrer typischen schwarzen Tracht mit weißen Kragen und Mützen (nächstes Mal muss ich das unbedingt fotografieren!). Da nur noch ganz vorn was frei war, ging ich mit Mama Mbuyisa durch den Mittelgang – und wurde von der Hälfte der Frauen umarmt. Ich weiß nicht, ob sie sich wirklich noch an mich erinnern konnten (immerhin ist das schon 4 Jahre her), aber sie wussten meinen Namen und es war sehr schön so herzlich empfangen zu werden. Blöd: hier wurden zum Singen keine Textbücher verwendet und so konnte ich nicht mal so tun als würde ich mitsingen.
Erst gab es Abendmahl, wobei Mr. Mbuyisa die Leute von hinten nach vorn aus den Bänken scheuchte und jedem ein Zeichen gab, wann er zu gehen hatte und Baba Sabela vorn aufpasste, dass alles seine Ordnung hatte. Ganz zum Schluss waren die Kinder dran, die gesegnet wurden und jeder eine Süßigkeit bekamen. Dann wurde die Kollekte gesammelt, einzeln für jede Gruppe: Jugend, Männer, Frauen, Arbeiter, Sonntagsschule, Abendmahl. Jeder der sich zu der entsprechenden Gruppe zugehörig fühlte, ging raus vor die Tür und dann kam die ganze Prozession singend und in diesem typischen Wiegeschritt, der bei uns Deutschen immer ziemlich verkrampft aussieht, wieder rein, bis vor an den Altarplatz, wo ein Tisch mit Schüsseln stand, in die das Geld geworfen wurde. Da alles in Zulu angekündigt wurde, hab ich natürlich nicht allzu viel mitbekommen und die Jugendrunde verpasst. Als ich dann dachte, einfach bei den Frauen zu gehen, wurde ich sofort von Baba Sabela zurück gerufen und von der gesamten Gemeinde ausgelacht. Ich bin doch keine Mama!
Als der Gottesdienst vorbei war, freute ich mich schon an die frische Luft zu kommen, denn nach 2h Zulu konnte ich inzwischen ein Gähnen kaum noch unterrücken. Pustekuchen! Es schloss sich eine Diskussion an, die noch mal fast eine Stunde ging. Und natürlich auch in Zulu geführt wurde. Ich habe nur mitbekommen, dass es wohl um Geld ging, weil immer mal das Wort „Rand“ fiel und die Zahlen auf englisch gesprochen werden. Hinterher hat mir ein Mädchen erzählt, dass es darum ging, für den alten Pfarrer Abschieds- und für den neuen Pfarrer Willkommensgeschenke zu kaufen. Dabei ist mit diesen Geschenken nicht einfach ein hübsches Andenken gemeint, sondern Dinge wie Waschmaschine, Kühlschrank und Möbel, für die die Gemeindemitglieder sammeln müssen. Das sollte man doch in Deutschland mal in einer Gemeinde zur Debatte stellen...
Gestern hat mich dann Pfarrer Mudau aus Sobantu abgeholt, um darüber zu sprechen, was ich in der Zeit, die ich jetzt hier bin so machen will. Ich war inzwischen wieder in Kenosis und hatte ihm den Weg beschrieben. Trotzdem hatte er sich verfahren (ich weiß, einige werden das auf meine mangelhaften Wegbeschreibungsfähigkeiten zurückführen, aber wenn ich vor 2’ gesagt habe, direkt nach Little Farm rechts runter und er fährt geradeaus weiter – was soll man da machen?) und war beim Wenden im Matsch stecken geblieben. Es hatte nämlich schon wieder seit Sonntag Abend geregnet. Als er es schließlich doch irgendwie zu mir geschafft hatte, waren er und sein Vikar (an alle nicht-Kirchler: Das ist ein angehender Pfarrer, der eine Art Referendariat macht, ähnlich wie bei Lehrern) völlig durchgeweicht und dreckig. Und heilfroh über den heißen Kaffee.
Nach unserem Gespräch hat er mich dann wieder bei Bastews abgesetzt und so sitze ich nun wieder hier und warte, dass vielleicht wenigstens der Regen aufhört. Aber da hab ich heut nicht viel Hoffnung.
Nachher holt mich Pfarrer Müller ab, ein Deutscher, der anscheinend jemanden kennt, wo ich den Rest der 6 Monate wohnen kann. Ich freu mich schon ihn kennen zu lernen (wobei ich mich im Moment über alles freue, was mich in irgendeiner Weise beschäftigt).
Bald mehr, aber ich will euch ja auch eine Chance geben, das alles zu lesen ;-)
Seid herzlich gegrüßt und schreibt mir mal was aus der Heimat. Ich freu mich immer, von jemandem was zu hören!
LG Katharina.
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