Donnerstag, 29. November 2007

16 Days of Activism on No Violence Against Women and Children

Heute mal wieder was über meine Arbeit. Gestern hatten wir ein großes Event: Eine T-Shirt Kampagne bei der City Hall. Wir hatten 700 T-Shirts auf die Leute Botschaften zum Thema Missbrauch, häusliche Gewalt etc. schreiben sollten. Dann wurden die T-Shirts aufgehängt, damit alle die Botschaften lesen konnten. Es war ein toller Tag, die Sonne schien obwohl Regen angesagt war und alle hatten eine Menge Spaß.

Natürlich waren bis zur letzten Minute noch Sachen zu organisieren und bei einigen Dingen haben wir wirklich gezittert, ob alles gut geht. Aber am Ende hat alles geklappt: Wir hatten genügend Leinen, Farben und Klammern, die Leute waren zufrieden, die Musik hat funktioniert, die Redner haben ihren Job gemacht...



Selbstverständlich dauerte der "offizielle" Teil der Veranstaltung (in der City Hall mit Reden vom Bürgermeister, der Polizei, SOS Kinderdorf usw.) viel länger als geplant und so langsam aber sicher wurden die Leute unruhig und wollten nach Hause. Aber ich denke, das ist ja normal hier und ich glaube nicht, dass irgend jemand damit rechnet, dass hier etwas pünktlich anfängt oder aufhört. Das Problem: Dann kommen natürlich alle umso später und es verzögert sich noch mehr und weil die Leute das wissen, kommen sie noch später...

Im Foto übrigens: Meine liebe Kollegin Londi und ich. PACSA Mützen und T-Shirts gehörten natürlich mit dazu.



Nach einem langen und anstrengenden Tag dann noch ein James Bond Film und ab in die Heija. Müde und zufrieden und wieder mal ein bisschen stolz auf mich selbst.

Sonntag, 25. November 2007

Wandern, Weinprobe, Grillen und kein Meeting

Ein sehr schönes und auf seine Art erlebnisreiches Wochenende liegt hinter mir. Am Donnerstag bin ich wieder mal umgezogen und wohne jetzt wieder bei dem Projekt, wo ich schon einmal eine Woche verbracht habe. Ich teile mir die Wohnung mit Annegret, einer älteren Dame (die ganz sicher nicht so genannt werden will) und Anne und Eva, zwei Mädchen aus Krefeld, die für zwei Monate hier sind. Ich habe mein eigenes kleines Zimmer mit einem wackligen Gartentisch als Schreibtisch und wir verstehen uns alle sehr gut. Im Wohnzimmer/Büro steht gerade alles voll mit Papiertüten (im Bild mit Eva), denn bald ist eine Weihnachtsfeier für alle Kinder, die von diesem Projekt betreut werden. Gar nicht so einfach, zum fernsehen aufs Sofa zu kommen – aber bei drei Kanälen, auf denen eh meist nur Müll kommt, ist das nicht weiter tragisch.

Freitag war ich bei einem Braai (also zum Grillen) bei der indischen Familie, mit der ich schon einmal unterwegs war. Melissa, meine amerikanische Kollegin bei PACSA, geht Ende nächster Woche in die USA zurück und da sie einen Großteil der Zeit mit dieser Familie verbracht hat, war es eine Art Abschiedsessen. Da es den ganzen Abend genieselt hat, hat Minesh, der Herr im Hause Nunthoolall, draußen gegrillt, während wir drinnen mit den Kindern Monopoly gespielt haben. Es war alles natürlich wieder mal sehr lecker, ich habe herausgefunden, dass Cola durchaus als Marinade verwendbar ist und dass man Kartoffelsalat mit den Fingern essen kann.


Samstag war ich mit Walter und Liesbeth, einem älteren Ehepaar, wandern. Sie gehören zu einer Wandergruppe und sind immer mal unterwegs. Dabei habe ich auch endlich mal ein paar Tiere aus der Nähe gesehen: Eine Giraffe aus 20m Entfernung ist schon sehr beeindruckend! Aber ich mag auch die Tausendfüßler mit ihren roten Bäuchen sehr gerne und hab noch nie vorher einen 20cm langen und 2cm dicken Regenwurm gesehen. Natürlich hat es auf halber Strecke angefangen zu regnen und durch hohes Gras im Regen – das macht nasse Hosen. Wirklich.




Abends haben die beiden dann eine Weinverkostung veranstaltet. 6 gute südafrikanische Weine mit Verstand verkostet – macht am Ende trotzdem beschwipst (zumal wir dann von unserem Lieblingswein weitertrinken durften...)


Heute war dann Gottesdienst in Kenosis (dort, wo ich damals für die Hochzeit vergessen wurde). Hinterher sollte es für ein Schulprojekt bei dem ich dabei bin, ein vor-Ort Meeting geben, ganz in der Nähe von Kenosis. Kurz nachdem es eigentlich schon angefangen haben sollte, bekam ich einen Anruf, dass der Rest noch in Sobantu auf jemanden warten würde, dann aber bald käme. Da ich mich an die Zulu-Zeit inzwischen einigermaßen gewöhnt habe, rief ich erst eine Stunde später wieder an. „Ach, wir sind schon wieder auf dem Weg nach Durban. Das Meeting fällt aus, die Anderen sind nicht gekommen“. Saß ich also mal wieder in Kenosis fest. Ich wollte mich gerade auf den Weg zum Minibus Taxi machen, da meinte jemand, es wäre in der Nähe gerade ein Workshop zu Ende und diese Leute würden gleich in die Stadt fahren. Hoffnungsvoll gehe ich also dort hin – und treffe meine PACSA Kollegen! Ich weiß nicht, wer überraschter war. Nach einer fröhlichen Heimfahrt im 15er Bus war ich gegen 3 wieder zu Hause und hab es sogar noch geschafft, Ulfs Diplomarbeit Korrektur zu lesen. Es kommt also keine Langeweile auf!

Donnerstag, 22. November 2007

Kadreinerle proudly presents...

Nach laaaanger Stille heute kurz und schmerzlos mal wieder ein paar Zeilen.

Meine Arbeit geht ganz gut voran und ich geh noch jeden Tag hin. Momentan planen wir eine grosse Kampagne, die naechste Woche starten soll: "16 Days of Activism for no Violence Against Women and Children" (16 Tage Kampagne gegen Gewalt an Frauen und Kindern). Es gibt einen Schreibwettbewerb in der hiesigen Zeitung und eine T-Shirt Kampagne. Dabei sollen T-Shirts mit Botschaften versehen und ueber der Hauotstrasse aufgehaengt werden. Wir haben 600 Stueck, also denke ich, werden die Leute wohl mitkriegen dass was los ist. Natuerlich haben wir zu wenige Geschichten fuer den Schreibwettbewerb, die Haelfte der sachen ist noch unklar oder laeuft schief und die Projektleiterin ist die ganze Woche in Johannesburg und nicht wirklich erreichbar - man waechst mit der Herausforderung.

Hier noch schnell ein Bild meiner neuesten Errungenschaft, auf die ich auch ein bisschen stolz bin: Ein PACSA Aufsteller. Es gehoert natuerlich eine Kette und ein Schloss dazu, sonst waere er wahrscheinlichs schon weg. So Stueck fuer Stueck gewoehnt man sich daran, an solche Sachen von selbst mit zu denken.

Mittwoch, 14. November 2007

Das wahre Leben

Heute ist ein trauriger Tag bei PACSA. Letzte Nacht ist Tony, einer unserer Kollegen gestorben. Er war HIV positiv und hatte Tuberkulose in der Leber.

Letzte Woche war er im Krankenhaus, aber da sie dort nichts für ihn tun konnten, haben sie ihn zum sterben nach Hause geschickt, um Platz für jemanden zu haben, für den noch Hoffnung besteht. Daniela, unsere Direktorin, hat ihn bei sich aufgenommen und zu ihrer Ärztin gebracht, damit er ordentlich versorgt wird. Aber es war zu spät.

Es ist schlimm, jemanden wie Tony zu verlieren, denn in seinem Dorf war er derjenige, der alle gedrängt hat sich testen zu lassen und ihren HIV Status zu kennen, damit sie rechtzeitig behandelt werden und noch möglichst viele Jahre leben können. Das wird jetzt wohl aufhören.

Montag, 12. November 2007

Mal wieder ein Lebenszeichen

Nach langer Stille will ich mich heute mal wieder melden und euch ein paar Einblicke in meine Erlebnisse hier in Pietermaritzburg geben.

Vergangene Woche haben die Inder in der Stadt Diwali gefeiert. Soweit ich das mitbekommen habe, ist es das Fest der Lichter und so war denn auch jeden Abend Feuerwerk über der Stadt zu sehen und zu hören.

Samstag Abend gab es ein „Festival of Lights“, organisiert von Vodacom (ein Handyanbieter) und dem Golden Horse Casino hier in PMB. Da der Eintritt frei war, sind wir hingegangen. Eigentlich war es nicht viel anders als so eine Veranstaltung bei uns aussehen würde, nur gab es eben hauptsächlich Bollywood musik, neben Pommes konnte man auch Samosas kaufen und es gab eine Modenschau mit indischen Sachen, inclusive Sari und Turban. Bemerkenswert fand ich noch die Vodacom Maskottchen Mo und Moisha: Er sieht aus als hätte er Drogen genommen und einen kurzen Rock über den sich der Bauch wölbt - wirklich zum knuddeln... Dagegen ist der Kogel-Mogel nix! (Für alle die den Kogel-Mogel kennen...)

Als uns beim 15. rosa-goldenen Sari die Sache zu dämlich wurde, sind wir in den nächsten Pub gefahren und haben den Abend mit ein paar Bier ausklingen lassen. Ich glaube, bald hab ich alles Sorten durch 

Nach einem Familiengottesdienst zum Abgewöhnen hatte ich Sonntag morgen die Gelegenheit, mich mit dem einzigen Schwarzen unter den „jungen Erwachsenen“ zu unterhalten. Er ist ein Student aus dem Kongo. Durch den Bürgerkrieg musste er fliehen und ist in Südafrika gelandet. Seine Eltern sind tot und von seinem Bruder hat er seit Jahren nichts gehört und weiß nicht, ob er noch am Leben ist. Später hat mir jemand erzählt, dass er wohl manchmal nicht mal was zu essen hat. Er ist angehender Ingenieur, spricht Französisch und Englisch fließend und ein bisschen Portugiesisch. Traurig darüber nachzudenken, was er für eine Karriere haben könnte.

Montag, 5. November 2007

Ein Jahr älter

So, jetzt lass ich mal kurz die Arbeit Arbeit sein und schreib euch ein paar Zeilen. Nach all den vielen Glückwünschen die ich bekommen habe, bin ich euch das wiklich schuldig!

Montag Abend habe ich Bagels gebacken und am nächsten Tag mit auf Arbeit genommen. Die lieben Kollegen sind darüber hergefallen und ruckzuck war nix mehr übrig. Es scheint allen geschmeckt zu haben... Dem Geburtstagsliedklassiker "Happy Birthday to you" wurde übrigens noch die respektlose Strophe "How old are you now" (Wie alt bist du jetzt) hinzugefügt. Also von wegen, sowas fragt man Frauen nicht - scheint hier nicht ganz zu stimmen :-)

Leider haben wir den restlichen Tag im Meeting verbracht und nach mehreren Stunden ohne richtige Pause fiel es mir doch zunehmend schwer dem Ganzen zu folgen. Aber gähnen ohne dass es jemand merkt ist, finde ich, auch ein Kunststück.

Abends im Chor hab ich dann nochmal ein Ständchen bekommen und sogar ein Geschenk: Edna, die Pfarrfrau, überreichte mir ein kleines Päckchen. Als ich es zu Hause aufgemacht habe, sind mir fast die Augen aus dem Kopf gefallen: Eine Kerze mit einem Bild von erzgebirgischer Weihnachtsschnitzerei! Alle die es noch nicht wussten: Ich bin im Erzgebirge geboren und in unserer Familie hat jeder so seine diversen Räuchermännchen, Nussknacker etc. UNGLAUBLICH!!!






Der Rest der Woche war dann ziemlich voll mit Meetings bis in den Abend und meist bin ich nur zum Schlafen heimgekommen. War aber eigentlich nix was sich lohnen würde hier aufzuschreiben. Die Wochenendzusammenfassung gibts erst im Lauf der Woche. Wir hatten eine sehr schöne PACSA Party. Hier noch zum Abschluss ein Bild das ich neulich Abends aufgenommen hab. Manchmal hat es eben auch seine Vorteile, erst ein bisschen später heim zu kommen - man bekommt den kurzen Sonnenuntergang mit.

Freitag, 2. November 2007

Ich bin Nomvula

Herzlichen Dank für all eure Glückwünsche!!!

Es war so schön zu sehen, wer alles an mich gedacht hat! Da ich zur Zeit wirklich sehr beschäftigt bin, gibts die Zusammenfassung des Geburtstags leider erst nach dem Wochenende, aber eine Sache gibt es, die muss ich einfach loswerden:

Ich habe einen neuen Namen.

Dean Myaka (der Chef des hiesigen Kirchenbezirks) hat ihn mir gegeben. Nomvula heißt so viel wie "Mutter des Regens" und steht für Wohlergehen und Erfolg. Ich denke, ein Grund, mir diesen Namen zu geben, war wohl auch, mich bei der Stange zu halten, denn ich unterstütze ihn ein bisschen bei einem Projekt. Aber ich habe mich trotzdem sehr darüber gefreut und ich finde es eine große Ehre einen Zulu-Namen zu haben.