Montag, 29. Oktober 2007

Zu den Anfängen

Freitag hab ich mir (wieder mal) frei genommen und bin mit einer Bekannten nach Hermannsburg gefahren. Klingt irgendwie deutsch? Stimmt. Hermannsburg liegt in Norddeutschland, ganz in der Nähe von Celle. Und von da kamen die deutschen Missionare nach Südafrika, die dann hier Orte wie Neu Hannover, Wartburg oder eben Hermannsburg gegründet haben. Und: Über siebenhundert Ecken sind sie ja auch dafür verantwortlich, dass ich jetzt hier bin. Ulf, du weißt also jetzt, wer Schuld ist.




In Hermannsburg gibt es eine deutsche Schule und das alte Missionshaus wurde zum Museum umgebaut. Schon seltsam, mitten in Südafrika plötzlich in einem deutschen Heimatmuseum zu stehen. Natürlich war zufällig auch grad eine deutsche Reisegruppe da. Kurzer Plausch mit Konrad und Annerose aus Pirna, dann ging’s zurück nach PMB.

Die Landschaft ist übrigens gar nicht soooo anders als bei uns. Nur wird statt Getreide, Mais und Raps Zuckerrohr angebaut und die Bewaldung besteht nicht aus gut geschützten Nationalparkbäumen sondern aus profanen Kiefern, die hier einfach um einiges schneller wachsen als z.B. im kalten Deutschland und daher eine ganz gute Einnahmequelle sind.



Samstag hab ich endlich mal den tollen Blick eingefangen, den man von Hayfields aus hat. Will ich euch natürlich nicht vorenthalten. Bei der Gelegenheit hab ich mir auch mal wieder einen Sonnenbrand geholt...

Sonntag war dann Konfirmation. Leider hatte irgendjemand meinem Handy gesagt, auf Winterzeit umzustellen, wodurch der Tag etwas hektisch begann. Da Dorle’s Enkel einer der Konfirmanden war und die Feier in ihrem Haus stattfand, war natürlich einiges los und ich hab ihr ein bisschen geholfen (da sie an Krücken geht, ist sie immer froh, wenn jemand anderes das Tisch decken übernimmt). Und nachdem ich ja bei der Hochzeit vergessen wurde, war das endlich mal eine Gelegenheit, doch noch mein gutes Kleid anzuziehen...

Dienstag, 23. Oktober 2007

Go Bokke!!!

Zu Allererst: WIR SIND WELTMEISTER!!!!!!!

Samstag Abend hat Südafrika den Rugby Worldcup in Paris gewonnen. A Big Deal! Das ganze Land hat gefeiert, die Nachrichtensprecher trugen die Trikots der Springboks und Thabo Mbeki wurde von der Mannschaft auf Händen getragen (ich könnte mir vorstellen, dieses Bild kam vielleicht sogar in Deutschland?) Eigentlich ist es kaum möglich, nicht stolz zu sein, auch wenn man gar kein Südafrikaner ist. Aber bei den vielen Kulturen und Sprachen hier fällt ein kleines deutsches Mädel wie ich ja gar nicht auf... Sonntag bekam dann Grant, ein Bekannter folgende SMS:

„Power cut in Britain after everyone put on their kettle for tea... Shame, they don’t even have a cup to put it in!”

An alle die das nicht verstanden haben: Greift zum Wörterbuch und fitzt euch durch – schadet nix :-)



Freitag Abend war ich, wie angekündigt, bei einer indischen Party mit meinen beiden Kolleginnen Sonia und Melissa (aus Nebraska, auch eine Praktikantin bei PACSA). Im Nachhinein finde ich, mein indisches Outfit sah eher aus wie ein Schlafanzug, aber so what! Nach einigen ziemlich schrecklichen Gesangs- und besseren Tanzeinlagen gab es Essen. So viele verschiedene Sorten Curry hatte ich noch nie auf dem Teller. Leider war es dadurch auch nicht mehr möglich zu sagen was wie geschmeckt hat, denn alles war durchmischt und ich weiß nur, es war recht würzig und ziemlich scharf. Zum Nachtisch gab es eine etwas schleimige Masse, in die man eine Art Cracker dippen sollte (war aber ganz lecker) und etwas ziemlich gelbes, das ein bisschen so geschmeckt hat wie ungebackener Mürbeteig. Ich bin mir sicher, die haben mir erzählt wie alles heißt, aber leider kann ich mich nicht mehr daran erinnern.



Sonia sah aus wie eine Königin in ihren weißen Sachen und dem ganzen Schmuck. Auf dem Bild ist noch Sonias Mutter zu sehen, eine der Frauen, die alle indischen Rezepte weiß. Ich glaub, mit ihr sollte ich mich noch ein paar mal treffen. Wir haben uns alle super verstanden, auch mit Sonias Mann Manesh und ihren beiden Kindern Megan und Mikhial. Sonia und Manesh sind eins der Paare, denen man richtig anmerkt, wie glücklich sie zusammen sind. Sie necken sich den ganzen Tag und lachen viel. Ich hatte auch gar nicht das Gefühl, sie erst kennen gelernt zu haben.

Sonntag war dann Konfirmandenvorstellung im Gottesdienst. Der Pfarrer hat sich als hindu verkleidet und die Konfis ausgefragt und sie mussten ihren Glauben, die Kirche und die Bibel erklären. Waren ganz schön tricky Fragen und einmal wusste selbst der Vikar nicht weiter. Aber war gut gemacht und die Konfis haben sich gut geschlagen.

Abends war dann noch ein Konzert des Posaunenchors. Konnte man sich wirklich anhören (ich hab leider Posaunenchören gegenüber immer ein paar Vorbehalte – sorry an alle Zehen auf die ich damit trete...).

Soweit so gut. Mehr demnächst.

Donnerstag, 18. Oktober 2007

WG im Altersheim...

... oder besser gesagt: In der Seniorenresidenz Luthergarten. Glaubt es oder nicht – so heißt der Ort, an dem ich die nächsten 4 Wochen wohnen werde (und dabei ist der Begriff „Lutheran Gardens“ wirklich nur für die paar, die eben gar kein deutsch können).

Nachdem ich jetzt eine Woche lang bei „Save a Child“ gewohnt habe, sind dort gestern 2 Mädels aus Deutschland angekommen, die das Zimmer brauchen. Eigentlich sollte ich in der Zwischenzeit zum Pfarrer ziehen, aber dann hat Dienstag Abend im Chor Dorle, eine sehr nette, rüstige alte Dame, angeboten, ich könnte doch bei ihr wohnen. Ich hatte erst Bedenken, denn in meiner Vorstellung dachte ich an eine 2-Zimmer Altenheimwohnung. Statt dessen ist der Luthergarten eine Versammlung von relativ wohlhabenden, großenteils deutschsprachigen Senioren, die sich hier eine Siedlung von Backsteinhäusern gebaut haben. Mit elektronischem Tor und allem was dazu gehört. Da werd ich wohl in den nächsten Tagen die Sensation sein.

Ich habe ein ziemlich großes Zimmer mit Doppelbett und großem Schrank. Ein Zimmer hat Dorle und eins ist frei. Die Küche ist relativ groß und es gibt eine sehr gemütliche Sitz- und Fernsehecke. Und das allerbeste ist: Ich muss noch nicht mal was bezahlen. Dorle meinte, ich soll lieber ab und zu was zu essen einkaufen, wenn ich sowieso in der Stadt bin. Wahnsinn!

In der letzten Zeit habe ich oft an einer Stelle aus der Bibel denken müssen, die sich hier sehr für mich bewahrheitet (frei wiedergegeben):

„Seht die Vögel unter dem Himmel an.
Sie säen nicht, sie ernten nicht
und Gott der Herr ernährt sie doch.
Seid ihr nicht mehr als sie?“

Auch wenn alles immer ein bisschen chaotisch läuft und sich manchmal erst in der letzten Minute klärt – irgendwie kommt immer alles zurecht und treffe ich hier immer wieder auf Leute, die mir weiterhelfen. Ich denke, dafür kann ich wirklich dankbar sein.

Übrigens: Am Freitag bin ich zu einer indischen Feier eingeladen (diesmal hab ich schon das Ticket, also werd ich wohl auch hingehen...) Sonia, meine Arbeitskollegin, will mir ein paar von ihren Sachen leihen und mich indisch einkleiden. Ich bin schon sehr gespannt und werd natürlich die Kamera im Anschlag halten!

Samstag, 13. Oktober 2007

Das Wochenende

Heute wieder mal eine Zusammenfassung meines Wochenendes. Ich versuche mich kürzer zu fassen...

Samstag wollte ich an einem Leadership Workshop der Lutheran Youth in Eastwood teilnehmen. Um den ganzen Fleischbergen entgegen zu wirken, die man hier so zu sich nimmt, entschloss ich mich zu laufen. Ich hatte mir den Weg auf der Karte angesehen und etwa 1h Zeit eingeplant – quer durch die Stadt. Voller Tatendrang und optimistisch wie ich bin, lief ich kurz nach 8 Uhr los. Ohne Stadtplan. Ein Fehler.

Durch die Stadt fand ich mich noch gut, wenn es auch weiter war als ich vermutet hatte. Ich würde auf jeden Fall zu spät kommen. Noch war ich aber guten Mutes und ging flotten Schrittes voran. Leider konnte ich dann den Abzweig nach Eastwood nicht finden. Nachdem ich von 3 Leuten in 3 verschiedene Richtungen geschickt worden war und mich nach 2h Fußmarsch durch die Sonne (danke Mama für die Sonnencreme!!!) in einem muslimischen Viertel wiederfand, begann ich doch, mich in meinen ¾ Hosen und dem ärmellosen Oberteil etwas unwohl zu fühlen und entschloss mich, den Rückweg anzutreten. Das war wohl nix. (Im Bild uebrigens nicht das muslimische Viertel, sondern die PMB City Hall)

Auf meinem Weg durch die Stadt traf ich dann noch auf Guidance, einen Rastafari und Bekannten von Malindi, der einen Stand auf dem Flohmarkt in der Church Street, gleich neben der Gandhi Statue hat. Ich hab mich ein paar Minuten mit ihm unterhalten und wir haben beide herzlich über mein Missgeschick gelacht.

Nach insgesamt 3h unterwegs durch die Stadt erreichte ich endlich wieder das Haus und konnte meine blasigen Füße versorgen. Eine Runde Mitleid bitte!

Sonntag waren wir dann im deutschen Gottesdienst - und wenn ich deutsch sage, meine ich richtig deutsch! Mit schwarzem Talar und unserem Gesangbuch. Aber es war sehr schön, sich nach dem ganzen Zulu und Englisch wieder mal so richtig heimisch zu fühlen. Es war auch ein Schwarzer im Gottesdienst, was mich gewundert hat. Und - wie könnte es anders sein - der sprach mich natürlich hinterher auch an. In der typischen Weise, wie es hier bei schwarzen Männern gegenüber weißen Frauen anscheinend immer ist: "Wie heißt du? Wo kommst du her? Bist du verheiratet? Kann ich deine nummer haben?" Was soll man dazu noch sagen...

Ansonsten war ich dann gestern Abend nach der Areit noch bei einem meeting. Es war für 4:00 Uhr angesetzt und sollte ca. 1h dauern. eider war halb 6 der Mann vom Dept. of Agriculture (wegen dem das alles veranstaltet wurde) immer noch nicht da und so wurde eben einfach ohne ihn diskutiert (ich bezweifle, dass die Anwesenden ausreichend Fachwissen hatten, um wirklich sinnvolle Entscheidungen zu treffen...). Halb 8 war ich dann endlich zu Hause. Aber war doch interessant mal zu sehen, wie ein "Zulu-Meeting" hier so läuft. Da werd ich mich in Deutschland wohl nie wieder aufregen, wenn mal was ne halbe Stunde länger dauert als geplant.

Unterwegs im Township

Gestern hatte ich frei und habe den Tag genutzt, um die Organisation, bei der ich zur Zeit wohne und für die ich bald auch arbeiten werde, etwas näher kennen zu lernen.

Gemeinsam mit Thandi und Polo, den beiden Sozialarbeitern, bin ich nach Imbali gefahren, um Kinder zu besuchen, die von „Save a Child“ unterstützt werden. Es ist sehr erschreckend zu sehen, wie einige der Kinder leben. Beispielsweise haben wir eine junge Mutter besucht (22), die mit ihrer 7-jährigen Tochter in einer Lehmhütte wohnt. Die Großmutter, die das Geld verdient hat, ist vor 3 Wochen gestorben. Da die junge Mutter die Schule abgebrochen hat, hat sie keinen Abschluss und ist arbeitslos, das heißt, sie hat wirklich überhaupt kein Einkommen. Die beiden leben momentan von monatlich 200 Rand Kindergeld, was umgerechnet etwa 20,-€ sind.

Was mir aufgefallen ist: In den meisten Townships ist um die Hütten ziemlich viel Platz, wo einfach Gras und Unkraut wachsen. Ich habe gefragt, warum dieser Platz nicht genutzt wird, um Gemüse anzubauen, was ja zumindest bei den aller Ärmsten die Ernährungslage deutlich verbessern könnte. Aber die Leute hier wissen einfach nicht, wie man Gemüse anbaut. Was für uns selbstverständlich ist – Erde umgraben und Samen rein, vielleicht ab und zu gießen, wenn es nicht genug regnet, haben sie einfach nie beigebracht bekommen.

Was ich an dieser Organisation hier kritisch finde, ist, dass sie bei den Kindern ansetzt. Sicher profitiert davon die ganze Familie und sicher ist es auch einfacher, Spenden für Kinder zu sammeln als für irgendwas anderes. Aber wäre es nicht viel sinnvoller, den Eltern auf die Beine zu helfen, damit sie selbst für ihre Kinder sorgen können? Damit sie selbstbewusste und eigenständige Menschen werden können, anstatt immer wieder zu lernen, abhängig von der Mildtätigkeit anderer zu sein? Vor allem eine so junge Mutter sollte man doch lieber zur Schule schicken oder ihr eine Berufsausbildung ermöglichen anstatt ihr monatlich einen Gutschein für Lebensmittel zu geben. Wenn sie wüsste, wie sie das Stückchen Land um ihre Hütte bearbeiten könnte, wäre sie darauf nämlich gar nicht angewiesen.

Donnerstag, 11. Oktober 2007

Heut nur kurz

Ich denke, die letzten beiden Einträge waren ziemlich lang und da ich allen die Chance geben will, meine Ergüsse auch zu lesen, heut nur ein paar Zeilen und dafür auch mal wieder Bilder...




Erst mal ein Blick über PMB. Laut Statistik hat die Stadt zwischen 100 und 400.000 Einwohner, je nachdem was man alles dazu zählt. Vom Gebiet her ist sie ziemlich riesig, aber es gibt auch kaum mehrgeschossige Häuser, nur ein paar im Zentrum. Ansonsten sind die Gebäude alle flach, luxuriöser oder ärmlicher je nach Gegend.

Für alle, die Südafrika kennen, einer der Fernwehauslöser schlechthin: Die blühenden Jaquaranden. Die Blätter kommen erst raus wenn die Blühten weg sind und so ist es ein bisschen so als hätte man ganze Alleen von Glockenblumenbäumen. Wenn man auf einem Hügel steht, sieht man sie überall hinter den Häusern aufleuchten. Ich liebe diese Bäume!




Und hier noch – sozusagen als Beweis – ein Foto meines Arbeitgebers. Es ist tatsächlich nur das kleine Haus in der Mitte und es sieht ein wenig seltsam aus, wie es sich da zwischen die beiden großen Gebäude duckt. Nach hinten geht es weiter raus als man vermutet und es gibt sogar 2m² Rasen mit einer Gartenbank.

Mittwoch, 10. Oktober 2007

Job und Zimmer

Gute Neuigkeiten: Ich hab endlich mit meinem Praktikum angefangen! Heut war mein erster Tag bei PACSA und mir schwirrt noch richtig der Kopf von den ganzen Infos die ich über die Organisation gelesen habe. Keine Angst, ich schreib das jetzt nicht alles auf. Hier nur eine kurze Zusammenfassung:

PACSA ist eine Non-Profit und Nicht Regierungsorganisation mit Hauptsitz im Zentrum von PMB. Ausgeschrieben bedeutet das „Pietermaritzburg Agency for Christian Social Awareness“. Die Arbeitsfelder sind so interessant wie vielfältig. Eine große Rolle spielt natürlich die Abteilung für HIV/AIDS, die immer wieder Aufklärungskampagnen macht, in Schulen geht, Infomaterial druckt, ... Als nächstes wäre die Abteilung für Konfliktmanagement zu nennen. Hier wird vor allem mit Jugendlichen gearbeitet und es geht eigentlich um alle möglichen Konflikte, die Jugendliche so haben, von Gruppendruck bis Teenage Schwangerschaften (von denen es hier wirklich viele gibt). Dann gibt es noch die Abteilung für Demokratie und Partizipation, bei der es darum geht, den Leuten Demokratie „beizubringen“, ihnen also zu erklären wie Entscheidungen auf Kommunalebene getroffen werden, was sie tun können um ihr Recht auf Wasser wahrzunehmen (das hier nicht alle bezahlen können und deshalb auch mal abgestellt werden kann – aber immerhin gibt es ja ein Menschenrecht auf Trinkwasser) oder auch, wie sie sich organisieren und Interessenvertretungen gründen können. Das ist noch lange nicht alles, aber ich denke, für einen Eindruck reicht es.

Ich bin in der Kommunikationsabteilung und soll eine kleine Forschungsarbeit darüber machen, wie bekannt und etabliert PACSA in der Gesellschaft (Kirchen, Unternehmen, Einzelpersonen, ...) ist und wie man die öffentliche Unterstützung ankurbeln kann.

Wer mehr ueber die Organisation wissen will, kann auch einfach unter www.pacsa.org.za nachlesen.

Ich freu mich wirklich schon auf die arbeit. Heut wurde ich allen vorgestellt (wobei ich mir glaube nur 2 Namen gemerkt habe) und muss sagen, dass es wirklich eine tolle Truppe ist. Der Großteil ist schwarz, es gibt aber auch einige wenige Weiße und zwei Inderinnen.

Inzwischen bin ich auch bei der Bastew Familie ausgezogen. Diese Woche wohne ich bei einem Projekt das „Rette ein Kinderleben / Save a Child“ heißt. Die Leitung dessen liegt in der hiesigen deutschsprachigen Gemeinde. Es ist ein Patenschaftsprojekt mit Paten aus Deutschland und Kindern in 2 Schulen hier, v.a. AIDS-Waisen aber auch anderen bedürftigen Kindern. Geleitet wird es vom Vikar der deutschsprachigen Gemeinde, René. Gestern Abend haben sie die Zusage für die Finanzierung eines 200.000 € Bauprojekts bekommen und René hat einen anderen Praktikant und mich zum Bier eingeladen. In einer gemütlichen Kneipe gab es Windhoek und Amarula, dazu einen verflixt leckeren cross gebackenen Kartoffel-Käse Snack mit Sour Cream. Zum Glück muss ich jetzt immer 30’ auf Arbeit laufen...

Heut hat sogar die Sonne wieder geschienen, ihr seht also – alles wird gut, man muss nur daran glauben!

Dienstag, 9. Oktober 2007

Einsam und Vergessen

Eigentlich hatte ich euch diese Woche einen ausführlichen Bericht und tolle Fotos von einer Traumhochzeit in weiß und pink reinstellen wollen. Das Problem dabei: Ich war nicht dort. Das kam so:

Da für das Hochzeitswochenende viele Gäste erwartet wurden, bat mich Meryl, mir doch eine andere Unterkunft zu suchen. Also rief ich in Kenosis an, etw außerhalb von PMB. Dort gibt es eine Art Kinderheim und auch ein Haus, in dem die Freiwilligen leben, die dort jeweils für ein Jahr arbeiten: 4 deutsche Mädels. Ich hatte sie vor einer Woche schon kennen gelernt und wir hatten uns gut verstanden. Ich rief also die Leiterin an und es war gar kein Problem übers Wochenende dort hin zu kommen, allerdings waren die Mädels alle nicht da. 2 in Pretoria und 2 in Durban. Kein Problem, ich bin ja wegen der Hochzeit eh nur zum Schlafen da. Dachte ich.

Meryl brachte mich Freitag hin und meinte, sie würde mich dann Samstag abholen. Vielleicht schafft sie es nicht zur Trauung, aber hinterher zur Party auf jeden Fall. Alles klar, ich freu mich schon!

Samstag war ich deshalb auch nicht überrascht, als niemand kam um mich für die Trauung 11:00 abzuholen, aber als sich dann um drei immer noch niemand gemeldet hatte, wurde ich doch langsam unruhig und fing an, SMS zu schreiben. Keine Reaktion. Also verbrachte ich den Samstag zunehmend frustriert und alleine mit der Katze (die mich fast noch in die Hand gebissen hätte) und einem Buch. Das hatte ich mir anders vorgestellt.

Sonntag holte mich dann Mr. Mbuyisa zum Gottesdienst ab. Der sollte eigentlich 9:00 anfangen, als aber fünf nach neun immer noch niemand aufgekreuzt war, dachte ich schon, ich wäre wieder vergessen worden. Gerade wollte ich eine frustrierte SMS an Ulf schreiben, da kam er um die Ecke und entschuldigte sich, dass er zu spät war. Zum Glück war es nicht weit zur Kirche in Eastwood, einem Stadtteil im Osten der Stadt, denn der Gottesdienst hatte schon angefangen.

Da es hier an Pfarrern mangelt, gibt es (zumindest für meinen Eindruck) recht viele Laienprediger. Und so war es Mama Mbuyisa, die vor der Gemeinde stand und den Gottesdienst hielt. Das Problem war: auf Zulu. Ich verstand also kein Wort. Zum Glück hatte ich meine englische Bibel eingesteckt und konnte so zumindest die entsprechenden Stellen nachlesen. Die Lieder waren größten Teils auch in Zulu und ich bemühte mich, einfach mitzusingen, und die verschiedenen Klicklaute so gut es ging nachzuahmen. So langsam begreife ich den Unterschied zwischen „gc“ und „q“. Ich musste mich dann noch kurz vorstellen und einige erkannten mich sogar noch. Am Ende des Gottesdienstes gingen alle nach vorn und gaben sich der Reihe nach die Hand, so dass sich im Prinzip jeder von jedem verabschiedet hatte.

Dann ging es weiter nach Sobantu, einem benachbarten Stadtteil, wo auch Gottesdienst war. Dort hatte er auch 9:00 angefangen, aber es war erst etwa die Hälfte um. Hier sah ich auch die Betfrauen in ihrer typischen schwarzen Tracht mit weißen Kragen und Mützen (nächstes Mal muss ich das unbedingt fotografieren!). Da nur noch ganz vorn was frei war, ging ich mit Mama Mbuyisa durch den Mittelgang – und wurde von der Hälfte der Frauen umarmt. Ich weiß nicht, ob sie sich wirklich noch an mich erinnern konnten (immerhin ist das schon 4 Jahre her), aber sie wussten meinen Namen und es war sehr schön so herzlich empfangen zu werden. Blöd: hier wurden zum Singen keine Textbücher verwendet und so konnte ich nicht mal so tun als würde ich mitsingen.

Erst gab es Abendmahl, wobei Mr. Mbuyisa die Leute von hinten nach vorn aus den Bänken scheuchte und jedem ein Zeichen gab, wann er zu gehen hatte und Baba Sabela vorn aufpasste, dass alles seine Ordnung hatte. Ganz zum Schluss waren die Kinder dran, die gesegnet wurden und jeder eine Süßigkeit bekamen. Dann wurde die Kollekte gesammelt, einzeln für jede Gruppe: Jugend, Männer, Frauen, Arbeiter, Sonntagsschule, Abendmahl. Jeder der sich zu der entsprechenden Gruppe zugehörig fühlte, ging raus vor die Tür und dann kam die ganze Prozession singend und in diesem typischen Wiegeschritt, der bei uns Deutschen immer ziemlich verkrampft aussieht, wieder rein, bis vor an den Altarplatz, wo ein Tisch mit Schüsseln stand, in die das Geld geworfen wurde. Da alles in Zulu angekündigt wurde, hab ich natürlich nicht allzu viel mitbekommen und die Jugendrunde verpasst. Als ich dann dachte, einfach bei den Frauen zu gehen, wurde ich sofort von Baba Sabela zurück gerufen und von der gesamten Gemeinde ausgelacht. Ich bin doch keine Mama!

Als der Gottesdienst vorbei war, freute ich mich schon an die frische Luft zu kommen, denn nach 2h Zulu konnte ich inzwischen ein Gähnen kaum noch unterrücken. Pustekuchen! Es schloss sich eine Diskussion an, die noch mal fast eine Stunde ging. Und natürlich auch in Zulu geführt wurde. Ich habe nur mitbekommen, dass es wohl um Geld ging, weil immer mal das Wort „Rand“ fiel und die Zahlen auf englisch gesprochen werden. Hinterher hat mir ein Mädchen erzählt, dass es darum ging, für den alten Pfarrer Abschieds- und für den neuen Pfarrer Willkommensgeschenke zu kaufen. Dabei ist mit diesen Geschenken nicht einfach ein hübsches Andenken gemeint, sondern Dinge wie Waschmaschine, Kühlschrank und Möbel, für die die Gemeindemitglieder sammeln müssen. Das sollte man doch in Deutschland mal in einer Gemeinde zur Debatte stellen...

Gestern hat mich dann Pfarrer Mudau aus Sobantu abgeholt, um darüber zu sprechen, was ich in der Zeit, die ich jetzt hier bin so machen will. Ich war inzwischen wieder in Kenosis und hatte ihm den Weg beschrieben. Trotzdem hatte er sich verfahren (ich weiß, einige werden das auf meine mangelhaften Wegbeschreibungsfähigkeiten zurückführen, aber wenn ich vor 2’ gesagt habe, direkt nach Little Farm rechts runter und er fährt geradeaus weiter – was soll man da machen?) und war beim Wenden im Matsch stecken geblieben. Es hatte nämlich schon wieder seit Sonntag Abend geregnet. Als er es schließlich doch irgendwie zu mir geschafft hatte, waren er und sein Vikar (an alle nicht-Kirchler: Das ist ein angehender Pfarrer, der eine Art Referendariat macht, ähnlich wie bei Lehrern) völlig durchgeweicht und dreckig. Und heilfroh über den heißen Kaffee.

Nach unserem Gespräch hat er mich dann wieder bei Bastews abgesetzt und so sitze ich nun wieder hier und warte, dass vielleicht wenigstens der Regen aufhört. Aber da hab ich heut nicht viel Hoffnung.

Nachher holt mich Pfarrer Müller ab, ein Deutscher, der anscheinend jemanden kennt, wo ich den Rest der 6 Monate wohnen kann. Ich freu mich schon ihn kennen zu lernen (wobei ich mich im Moment über alles freue, was mich in irgendeiner Weise beschäftigt).

Bald mehr, aber ich will euch ja auch eine Chance geben, das alles zu lesen ;-)

Seid herzlich gegrüßt und schreibt mir mal was aus der Heimat. Ich freu mich immer, von jemandem was zu hören!

LG Katharina.

Donnerstag, 4. Oktober 2007

Langeweile und schlechtes Wetter

Da ich momentan immer noch zu Hause rumsitze und darauf warte, dass nächste Woche hoffentlich mein Praktikum endlich losgeht, es draußen regnet und ich somit nicht mal den Pool genießen kann, dachte ich, ich nutze die Zeit und stell euch die Fotos vom Grundstück rein, die ich euch versprochen hab.

Ein verlockender Pool im Sonnenschein. Ich hätte ihn gestern wirklich nutzen sollen, als wir fast 30° hatten. Just hab ich mir natürlich auch einen Sonnenbrand geholt, obwohl ich gar nicht viel draußen war.






Das Haus. Eine Etage, kein Keller. Innen ist alles gefliest (was an einem Tag wie heute ganz schön für kalte Füße sorgt). Wärmedämmung ist Fehlanzeige und das Dach hat keine Fenster, sonst könnte man da sicher noch 1-2 Zimmer einrichten. Aber ich vermute mal, da oben ist im Sommer ein ziemlicher Backofen...

Und die Bananenstaude, um euch auch ein Gefühl von Exotik zu vermitteln ;-) Es hängen sogar Bananen dran, die sind aber noch grün. Im Nachbargarten gibt es einen Papayabaum und die Zitronen für den Tee pflücke ich gleich neben dem Haus (die nimmt aber niemand außer mir und sie sin auch definitiv nicht EU genormt, so schrumplig und unfoermig wie die aussehen).


Hier herrscht im Moment ein ziemliches Aprilwetter: es springt von 30 zu 16° und zurück, gestern war es sonnig, vorgestern ziemlich windig und heute regnet es schon den ganzen Tag. Am Wochenende wird Dane, der älteste Sohn meiner Gastfamilie, heiraten. Deshalb sind alle zur Zeit ganz verrückt auf den Wetterkanal, um zu sehen, ob es Samstag regnet oder nicht. Bisher sind 25° und Wolken gemeldet, wir werden sehen.

Meryl hat sich die letzten Tage vor der Hochzeit freigenommen, um die letzten Dinge zu organisieren. Sie ist den ganzen Tag unterwegs und ziemlich gestresst. Gestern Abend kamen Granny und Aunty und wir haben kleines Dekozeugs gebastelt mit weißen und rosa Süßigkeiten. Und heut hat Merl rosa Kerzen vom Einkaufen mitgebracht. Soweit ich das sehen kann, wird es wohl eine kitschig-romantische Hochzeit werden wie sie im Buche steht. Übrigens – es werden 250 Leute erwartet!

Montag, 1. Oktober 2007

Malindi

Mein erstes Wochenende habe ich bei Malindi verbracht, meiner Brieffreundin seit etwa 10 Jahren. Sie wohnt in der Stadt und hat ein kleines Zimmer.

Das ist schon etwas anderes als bei Meryl und Bruce mit Swimming Pool und Maid - in den anderen 3 Zimmern wohnen jeweils so 4-5 Leute (es ist aber nur Platz fuer ein Bett), es gibt nur kaltes Wasser und Sonntag frueh keinen Strom. Das heisst, sie muss immer genuegend warmes Wasser in der Thermosflasche bereit halten, um fuer ihre kleine Tochter Azania die Milch warm zu machen.

Trotzdem, ich finde sie sieht doch aus wie eine sehr schoene und glueckliche Mutter, oder?

Insgesamt ist mir aufgefallen, dass hier niemand einen Gedanken aufs Energiesparen verwendet. Durch die Fenster und Tueren ziehts durch, Maindi heizt ihr kleines Zimmer mit der Herdplatte, im Bad laeuft den Ganzen Tag der Wasserhahn und Licht und Fernseher sind sowieso immer an.

So langsam kommt auch mit einem Job was ins Rollen. Meryl hat mich zu verschiedenen Sachen hingefahren und es scheint, als koennte ich ab naechster Woche oder so eine Forschungsarbeit bei einer Sozialorganisation machen. Die wollen ihr Fundraising verbessern und ihre Organisation in der Stadt bekannter machen.