Samstag, 13. Oktober 2007

Unterwegs im Township

Gestern hatte ich frei und habe den Tag genutzt, um die Organisation, bei der ich zur Zeit wohne und für die ich bald auch arbeiten werde, etwas näher kennen zu lernen.

Gemeinsam mit Thandi und Polo, den beiden Sozialarbeitern, bin ich nach Imbali gefahren, um Kinder zu besuchen, die von „Save a Child“ unterstützt werden. Es ist sehr erschreckend zu sehen, wie einige der Kinder leben. Beispielsweise haben wir eine junge Mutter besucht (22), die mit ihrer 7-jährigen Tochter in einer Lehmhütte wohnt. Die Großmutter, die das Geld verdient hat, ist vor 3 Wochen gestorben. Da die junge Mutter die Schule abgebrochen hat, hat sie keinen Abschluss und ist arbeitslos, das heißt, sie hat wirklich überhaupt kein Einkommen. Die beiden leben momentan von monatlich 200 Rand Kindergeld, was umgerechnet etwa 20,-€ sind.

Was mir aufgefallen ist: In den meisten Townships ist um die Hütten ziemlich viel Platz, wo einfach Gras und Unkraut wachsen. Ich habe gefragt, warum dieser Platz nicht genutzt wird, um Gemüse anzubauen, was ja zumindest bei den aller Ärmsten die Ernährungslage deutlich verbessern könnte. Aber die Leute hier wissen einfach nicht, wie man Gemüse anbaut. Was für uns selbstverständlich ist – Erde umgraben und Samen rein, vielleicht ab und zu gießen, wenn es nicht genug regnet, haben sie einfach nie beigebracht bekommen.

Was ich an dieser Organisation hier kritisch finde, ist, dass sie bei den Kindern ansetzt. Sicher profitiert davon die ganze Familie und sicher ist es auch einfacher, Spenden für Kinder zu sammeln als für irgendwas anderes. Aber wäre es nicht viel sinnvoller, den Eltern auf die Beine zu helfen, damit sie selbst für ihre Kinder sorgen können? Damit sie selbstbewusste und eigenständige Menschen werden können, anstatt immer wieder zu lernen, abhängig von der Mildtätigkeit anderer zu sein? Vor allem eine so junge Mutter sollte man doch lieber zur Schule schicken oder ihr eine Berufsausbildung ermöglichen anstatt ihr monatlich einen Gutschein für Lebensmittel zu geben. Wenn sie wüsste, wie sie das Stückchen Land um ihre Hütte bearbeiten könnte, wäre sie darauf nämlich gar nicht angewiesen.

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